Reality strikes

Mit der Berichterstattung (profil, Der Standard, APA-OTS) über eine geleakte Schulungsunterlage der Landesamtes für Verfassungsschutz in Niederösterreich geriet der heimische Ableger der „Freeman“-Bewegung nach längerer medialer Absenz wieder an die Öffentlichkeit. Dass auch hier fast ein Jahr seit dem letzten Eintrag zu den reichlich unsouverän agierenden „Souveränen“ vergangen ist bedeutet nicht, dass ich die Szene aus den Augen verloren habe. Vielmehr habe ich auf anderen Kanälen darüber berichtet, öffentlich zugänglich beispielsweise drüben auf untenrechts.at.

Anlaß für das Update hier sind aktuelle Entwicklungen, die das Potential haben die Szene massiv in der Entwicklung zu beeinflussen. Bislang genossen die Spinner bis zu einem gewissen Grad eine Art Narrenfreiheit, meines Erachtens legen Exekutive und Justiz eine zu weit gehende Laissez-faire an den Tag und verfolgen offensichtliche Straftaten zu wenig offensiv. Eventuell ändert sich das nun durch die Ermittlungen um das Datenleck, wobei sich hier noch ein knackiges Moment addiert – die Daten wurden vom Schweizer Rechtsextremisten Heinz-Christian Tobler veröffentlicht.

Die mangelnde Ernsthaftigkeit, die die Staatsgewalt der Bewegung entgegenbringt reflektiert sich auch darin, dass das Phänomen zwar mit immerhin 26 Seiten im Tätigkeitsbericht der Bundesstelle für Sektenfragen 2014 beschrieben wird, aber nicht im Verfassungsschutzbericht vorkommt. Ich kann nur wiederholen, was ich bereits letztes Jahr geschrieben habe: Trotz esoterischer Momente handelt es sich nicht um eine Sekte, sondern um Kriminelle mit terroristischem Potential.

An anderer Front soll dem Vernehmen nach meine Anzeige gegen die Betreiber des illegitimen Phantasiekonstruktes „Internationaler Justizgerichtshof für Naturrecht, Völkerrecht und Allgemeingültige Rechtsprechung“ heuer noch zur Verhandlung kommen. Angezeigt hatte ich 15 Vergehen nach dem Strafgesetz und weitere drei nach dem Finanzstrafgesetz. Das könnte spannend werden.

In die nächste Runde geht auch das Verfahren um das Fiasko von Hollenbach im Juli 2014. Unverständlichweise wurde die Anzeige des Opfers eingestellt und erst infolge eines Fortsetzungsantrages wird der Sache nun hoffentlich die notwendige Ernsthaftigkeit entgegengebracht. Ebenfalls noch offen ist der Ausgang des Asylverfahrens um Terry Russel Connor, ein US-Staatsangehöriger, der im Zuge der Auflösung der „Gerichtsverhandlung“ in Hollenbach festgenommen wurde. Connor agiert aktuell als „Ausbildner“ der Möchtegern-„Sheriffs“ des „Gerichtshofes“, wobei er Konfrontationen mit der realen Exekutive provoziert. Das dürfte im Asylverfahren wenig hilfreich sein, Asylwerber wurden schon wegen weniger schwerwiegender Vergehen abgeschoben.

Die „Klägerin“ von Hollenbach, Ute Michaela Walkner, war Mitinitiatorin des „Gerichtshofes“ und scheint somit als Beschuldigte in meiner Anzeige auf. Mittlerweile hat sie sich mit den anderen Phantasten dort überworfen und betreibt ihre eigene „Common Law Akademie„, die aber auch nicht näher an der Realität als der „Gerichtshof“ agiert.

Auch zwei weitere Kernakteure der österreichischen Szene hat die volle Härte der Realität eingeholt: Gudun Knorrek und Andreas Monte Christo, der unter dem Namen „Harvey Friedman“ auftritt.

Knorrek hatte ich letztes Jahr latent aggressives Verhalten, gepaart mit einer passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung attestiert. Einen letzten Rest Ratio dürfte sie sich erhalten haben, nach längerer Funkstille wendet sie sich via Facebook an ihre ehemaligen Freunde und verlangt, dass Videos mit ihr aus dem Netz entfernt werden sollen. Ihr Konkursverfahren hat sie wohl wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Bei zuwiderhandeln droht sie sogar rechtliche Schritte an – wohlgemerkt nach realem Recht und nicht nach dem, bis vor Kurzen noch von ihr propagierten, Phantasierecht. Aber auch das zeigt einen gewissen Grad an Realitätsverlust, es dürfte klar sein, dass ihr Anliegen weder mit der Dynamik des Internet, noch mit dem Mindset der „Souveränen“ vereinbar ist.

An Knorreks Stelle in der Szene tritt die mit ähnlicher psychischer Disposition auftretende Monika Unger, eine der drei Proponenten des Ende Oktober „gegründeten Staat Steiermark„, bei dem es sich natürlich ebefalls um galoppierenden Schwachsinn handelt, und der hier sehr wahrscheinlich noch Thema sein wird.

Noch härter als Knorrek hat es Andreas Monte Christo getroffen. Er verbüßt derzeit in der Justizanstalt Graz-Jakomini eine aus seinen Betrugsdelikten von vor über zehn Jahren resultierende Haftstrafe von annähernd zwei Jahren. Seiner Festnahme folgte ein Aufschrei seiner naiven Groupies, behauptet wurde er sei ein „politischer Gefangener in Isolationshaft“, der wegen seiner „regimekritischen Bücher“ in Haft sei. Die eigens dazu geschaffene „geschlossene“ Facebook-Gruppe „Freiheit für Harvey Friedman“ ist voll mit entsprechenden Desinformationen. Als der wahre Grund seiner Inhaftierung nicht mehr zu leugnen war schwenkten seine Groupies auf eine neue Linie ein und verbreiten nunmehr, dass er in Haft gefoltert werden würde.

Besonderes Engagement für Monte Christo legt Patricia Ausweger Matz, seine – eigenen Angaben zufolge „vertraute Assistentin“, an den Tag. Sie sammelt Spenden, initiiert Online-Petitionen und vertreibt nun seine Bücher, wobei der Verdacht der Abgabenhinterziehung im Raum steht. Auf oben genannter Facebook-Gruppe wird zum sogenannten „Paper Terrorism“ aufgerufen, hier tut sich insbesonders Nina Gelfanov Galli hervor, die sich sogar ob ihres „Telefonterror“ an der Justizanstalt Graz-Jakomini brüstet.

Der Aktionismus dürfte langsam aus dem Ruder laufen, Ausweger Matz versucht einzubremsen, auf Facebook schreibt sie dass die offenbar massiv erfolgten Eingaben kontraproduktiv wären und dass es sogar zu Drohungen gegen Justizbeamte gekommen sei. In der Folge distanzieren sie und Monte Christo sich sogar von den Ideen des OPPT … von der Realität eingeholt eben.

Obgleich alle Fakten gegen Monte Christo sprechen steht sie jedenfalls weiterhin zu ihm, es dürfte sich um eine speziell ausgeprägte naive Form der Hörigkeit handeln. Seine Integrität wird in der Gruppe jedenfalls nicht angezweifelt, kritische Stimmen werden umgehend aus der Gruppe ausgeschlossen um das Bild nicht zu stören. Ein plakativ schönes Beispiel für die reine Seele Friedmans ist die in der Gruppe immer wieder wiedergekaute Geschichte um einen sagenhaften „Goldschatz von vier bis fünf Millionen Euro“, den er einem kolumbianischen Indianerstamm angeblich zum Geschenk machte.

Kolportiert wurde das vor zwei Jahren auch in Boulevardmedien, ich hatte der Geschichte bisher keine Aufmerksamkeit entgegengebracht. Dabei ist sie leicht als Lüge zu entlarven. In den beiden Artikeln wird angegeben, dass Sotheby’s und das Völkerkundemuseum (heute Weltmuseum) die Echtheit des „Schatzes“ bestätigt hätten – beide dementieren. Und auch weder die Botschaft der Republik Kolumbien, noch die Zollverwaltung können Ein- bzw. Ausfuhr desselben bestätigen. Monte Christos Altruismus ist demnach weder belegbar noch existent. Es steht aber zu befürchten, dass objektive Wahrheiten bei seinen Groupies keine Rolle spielen.

Wir erleben also eine nach wie vor zersplitterte und sich selbst marginalisierende Szene um die „Souveränen“ und „Freeman“. Beobachtenswert bleibt sie dennoch, kriminelles Potential ist massiv vorhanden, zu Gewaltausbrüchen wie in den Vereinigten Staaten dürfte es aber meines Erachtens auch langfristig nicht kommen.