Aufgedeckt: Der Sommerflop

Aufgedeckt? Wieso steht da „Aufgedeckt“, was ist denn das für ein Stilbruch? Wer hat es denn notwendig solch infantile Überschriften zu verwenden? Nu, ich nicht… …es handelt sich um eine Reminiszenz an das Objekt dieses Blogeintrages.

Oft sind es verworrene Umwege, wie die Berichtsgegenstände hier zustandekommen. Im gegenständlichen Fall hatte ich diverse gesicherte Unterlagen der durchgeknallten sogenannten „Souveränen“ oder „Freeman“ sortiert und war dabei auf das „UCC Financing Statement“ (Original, hier gesichert) von Andrea Juen gestoßen. Wie andere Irre der Bewegung fordert sie die Summe von zehn Milliarden Euro aus dem illegitimen Titel des OPPT. Juen an sich ist völlig uninteressant, sie ist nur eine weitere jener Personen die offenbar grobe Probleme haben mit der Realität zurecht zu kommen.

Interessanter allerdings ist ein Mitglied ihrer Entourage, der bei näherer Betrachtung an Hans-Georg Peitl oder Tom Landon erinnernde Züge an den Tag legt.

Es handelt sich um Stephan Pfeifhofer, eigenen Angaben zufolge eine Lichtgestalt des investigativen Journalismus und eine selbsternannte „Aufdecker-Ikone“. Nun bin ich doch einigermaßen gut mit Journalisten vernetzt, aber ein Pfeifhofer ist mir noch nie untergekommen. Auch unter seinen Journalistenkollegen ist er keine bekannte Größe. Selbst Wikipedia gibt wenig her, ein Eintrag von ihm und über ihn wurde mit bezeichnender Begründung gelöscht: „Selbstdarstellung mit null Relevanz“, was ich sehr treffend finde.

Aber – und hier eine Parallele zu Peitl – wenn Andere meine Größe nicht anerkennen, dann ist schnell eine Traumwelt zusammengeschustert, in der man sich selbst zum Maß aller Dinge hochstilisiert. Was Pfeifhofer allerdings von Peitl unterscheidet, ist dass er seine Hirngespinste mit einer nicht ganz so brüchigen Fassade versieht. Er schuf ein schwer durchschaubares Firmengeflecht, das einer näheren Überprüfung allerdings nicht Stand hält.

Im Zentrum steht die „Grind Networld Ltd.“, eine Briefkastenfirma im Londoner Vorort Epsom. Im Impressum seiner Seiten verweist Pfeifhofer dann auch Seriosität vortäuschend auf den britischen „Firmenbuchauszug“ (Original, hier gesichert), verschweigt dabei allerdings, dass besagtes Unternehmen seit 11. März 2014 nicht mehr existiert.

Somit sind zumindest Verstösse gegen die Offenlegungspflichten nach dem Mediengesetz gegeben, so auch Printprodukte behauptet werden Verstösse gegen die Pflichtablieferungsverordnung nach dem Mediengesetz. Das trifft auf die von Pfeifhofer mit Content beteilten Internetauftritte xlarge.at, steirerblatt.at, fazit.tirol und blitznews.at zu. Eine weitere Domain im Einflußbereich Pfeifhofers ist die whats-up.tv, der angeführte Verstoß gegen das Mediengesetz trifft auch hier zu, allerdings ist hier im Impressum eine „Grind Media Verlagsgruppe Ltd.“ angeführt und diese existiert bereits seit 19. Juni 2012 nicht mehr. Eigenen Angaben (Original, hier gesichert) zufolge erreicht die „Grind Media“ sechsstellige Abonnentenzahlen, was angesichts dessen, dass die angeblich so erfolgreichen Produkte völlig unbekannt sind schon hinterfragenswert scheint.

Abgesehen davon werden auf manchen seiner Seiten diverse Produkte zum Kauf angeboten, so etwa auf blitznews.at völlig überteuerte iPhones und USB-Sticks (Original, hier gesichert). Den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Seite ist zu entnehmen, dass Vertragspartner die „BlitzPreis Agentur GmbH“ in Wien sei (Original, hier gesichert). Der aufmerksame Leser vermutet schon – es gibt auch diese Firma nicht. Ebenso verhält es sich mit der ausschließlich im Pfeifhoferschen Kontext auffindbaren „Quotenfabrik Werbeagentur“ – keine Gewerbeberechtigung und eine Scheinadresse.

Pfeifhofers ominöses multipräsentes Medienimperium zerbröselt aber in noch kleinere Teile, wenn man die angeblich handelnden Personen recherchiert. Ob das nun der xlarge.at Chefredakteur Mathias Fluck und Chefreporter Simon Polterer, Dipl-Kfm Rene Kerner als Geschäftsführer von whats-up.tv, Jürgen Alber von quotenfabrik.at oder der Chefredakteur Siegfried Gasser von fazit.tirol ist – sie haben alle eines gemeinsam: es gibt sie nicht.

Offenlegung und Personen halten einer Prüfung also nicht Stand, bleiben noch die Anschriften auf jene die Domains gemeldet sind. Aber auch hier Fehlanzeige, teils handelt es sich um aufgelassene Postfachadressen, teils um schlicht nicht existierende Anschriften. Pfeifhofer versteckt sich also hinter einem Dickicht von Scheinadressen und Phantomen um sich so jeglicher juridischen Verantwortung für seine Texte zu entziehen.

Eine Ausnahme gibt es allerdings, Pfeifhofer betreibt auch den Internetauftritt stephan-pfeifhofer.com, und auch hier: Anschrift im Impressum (Original, hier gesichert) und bei der Domainanmeldung nicht existent. Allerdings betreibt er unter dieser Domain einen Online-Shop mit einer offenbar ladungsfähigen Anschrift in der Steiermark.

Es wird allerdings nur ein einziges Produkt vertrieben: „Büttl der Amtsmissbräuchler im Richterkittl“ [sic!], eine Vertonung der Realitätsverweigerung der weiter oben im Text angeführten Andrea Juen (Original, hier gesichert). Als Lackmustest habe ich die Version auf CD bestellt, nicht zuletzt, da diese von Pfeifhofer wie folgt beworben wird: „Die exklusive CD zum Sommerhit 2016 über Amstmissbrauch in der Justiz. Mit der CD bekommst Du unschätzbares Bonusmaterial!“ (Original, hier gesichert). Bekommen habe ich trotz sofortiger Bezahlung via PayPal erstmal gar nichts. Erst nach zwei Mahnungen mittels eingeschriebener Briefe trudelte eine amateurhaft gebrannte Billig-CD mit der Audiodatei ein. Keine Spur vom „unschätzbaren Bonusmaterial“, das es im Medienimperium Pfeifhofer wohl ebensowenig wie eine professionelle CD-Produktion, oder wenigstens einen Lightscribe-Brenner oder einer Schere zum Zuschnitt des CD-Inlays zu geben scheint. Ein – so wie beworben – Sommerhit – also ein Verkaufsschlager, sieht anders aus, zumal dieses Stück auch in keiner einzigen gängigen Hitparade aufscheint. Selten hat der Begriff Mogelpackung besser gepaßt als auf Pfeifhofer und seine Angebote, der Betrugsverdacht ist hier nicht von der Hand zu weisen.

Stichwort Mogelpackung, das bringt mich zu einigen unstimmigen Angaben im Lebenslauf des Stephan Pfeifhofer. Man kommt einfach auf keinen grünen Zweig beim Versuch seine formale Ausbildung nachzuvollziehen. Wiederholt läßt Pfeifhofer sich als MMag. – also mit zwei Studienabschlüssen – titulieren, so beispielsweise hier (hier gesichert) auf Facebook. Um es kurz zu machen: es ist kein Nachweis einer Sponsion Pfeifhofers auffindbar. Und zwar weder wie behauptet 2001 an der Universität Salzburg im Fach Publizistik und Kommunikationswissenschaften (Original, hier gesichert) noch 2004 ohne nähere Angaben (Original, hier gesichert), noch in anderen Jahren. Pfeifhofer ist sich anscheinend sicher nicht gegen das Universitätsgesetz zu verstoßen, und verwendet den Doppel-Magister auch gegenüber Behörden (Original, hier gesichert).

Der von Pfeifhofer verwendete Presseausweis des wie weiter oben angeführten massiv gegen das Medienrecht verstossende „Steirerblatt“ sei seinen Angaben zufolge von der „Österreichischen Presseloge verifiziert“. Meine Leser haben schon eine leise Ahnung – Es gibt keinen Eintrag im Vereinsregister oder sonstwo zur „Österreichischen Presseloge“, es gibt weder den Vorsitzenden Sascha Berndorfer, noch die im Impressum angeführte Wiener Anschrift (Original, hier gesichert). Folgerichtig findet sich diese dubiose „Österreichischen Presseloge“ auch ausschließlich im Zusammenhang mit Webseiten Pfeifhofers im Netz und ist auf Nachfrage bei anderen – real existieren – Journalistenvereinigungen gänzlich unbekannt. Wie das urheberrechtlich geschütze „arte“-Logo auf diese Seite geriet kann man sich beim Sender nicht erklären, man würde die Sache verfolgen wird mitgeteilt.

In einer weiteren Version seiner Lebensgeschichte behauptet Pfeifhofer er sei „Kinder- und Jugendpsychologe iAuS in den Fachbereichen ADHS, Autismus, Essstörungen, (vor-)pubertäre Renitenz“ (Original, hier gesichert). Das Kürzel „iAus“ steht in der psychologischen Ausbildung für „in Ausbildung unter Supervision“, also für Therapeuten in der letzten Phase ihrer Ausbildung. Der fast schon erwartbare Schönheitsfehler hier: Stephan Pfeifhofer ist bei allen einschlägigen Berufsverbänden in Österreich unbekannt, kein anerkannter Therapeut hat ihn supervidiert.

Aktuell versucht er sich als Berater in rechtlichen Fragen. Die von der „Journalistenloge“ aus verlinkte Webseite rechtspflege.org war bis auf den Hinweis, dass eine „Loge der Rechtspflege in Kürze online“ gehen würde immer leer, mittlerweile führt der Link ins digitale Nirvana. Pfeifhofer verbreitet seinen juridischen Schmonzes im Wege von Videos auf der Facebook-Seite „Justizgeschädigte Andrea Juen“ (Original, hier gesichert), wobei inhaltliche mit sprachlicher Qualität korrespondiert. Der Erfolg dieser Videos unter dem Titel „Pfeifhofers Recht-Sprech-Stunde“ ließ anscheinend zu wünschen über, ein Sponsorenaufruf blieb ungehört – was allerdings angesichts der Strafbestimmungen zur Winkelschreiberei nur von Vorteil sein kann. Die bescheidene Zahl der Aufrufe, „Likes“ und zuletzt auch die Dauer der Filme reflektieren das Interesse der Öffentlichkeit an Pfeifhofers Ausführungen.

Was bleibt nun also von Stephan Pfeifhofer? Er ist jedenfalls ein großer Freund der Superlative, die seine Texte wie ein roter Faden durchziehen. Insbesondere in Bezug auf sich selbst spart er nicht mit löblichen Zusätzen, das Eingangs erwähnte „Aufgedeckt“ wird oft und gerne verwendet, auch wenn es noch nicht mal zum sprichwörtlichen Stürmchen im Wasserglas reicht. Im oben erwähnten gelöschten Wikipedia-Eintrag wird in der Diskussion ausgeführt: „Da dreht sich mir als Österreicher ja besonders der Magen um. Alfred Worm und DER im gleichen Atemzug!“, heute beschreibt er sich selbst auf seiner Webseite in wahnhafter Selbstüberhöhung als „Österreich Wallraff“ (Original, hier gesichert). Dem ist eigentlich Nichts hinzuzufügen.

Anmerkung: Ich hatte bei Stephan Pfeifhofer nachweislich um Stellungnahme zu den in meinem Text erhobenen Vorwürfen nachgesucht, leider erfolgte keine Reaktion.