Propaganda für Dummies

12. März 2017

Vor knapp zwei Wochen hatte ich kurz Hakan Gördü angerissen, er ist wie beschrieben ein halbwegs bemühter Agitator in Erdoğan’s fünfter Kolonne UETD, der mit seinen rudimentären Deutschkenntnissen durch heimischische Medien gereicht wird, wenn diese ein bemüht adrettes Patsy brauchen, das den Faschismus in Erdoğanscher Prägung verteidigt.

Trotz seiner momentanen Medienpräsenz ist Gördü aber eigentlich eine vernachlässigbare Größe, in der UETD hat er sich selbst ins Abseits gestellt, eventuell musste er die Notbremse ziehen, da nach dem erfolglosen Pseudo-Putsch in der Türkei die Gefolgschaft seiner Frau Begüm zur Gülen-Bewegung nicht mehr toleriert wird.

CropImageDas Alles wäre keine Erwähnung wert, würde Gördü nicht massive Vorwürfe gegen unsere österreichischen Parlamentarier erheben und diese damit einer realen physischen Gefahr aussetzen. Insbesondere die Abgeordnete zum Nationalrat Aslan dürfte das Primärziel der Erdoğan-Fanboys in Österreich sein. Das läßt sich oberflächlich dadurch erklären, dass Aslan der kurdischen Ethnie angehört. Weiter gedacht stellt sie für bedeutungslose Zniachteln wie Gördü aber eine noch viel größere Provokation dar. Eine selbstbestimmte, gebildete und erfolgreiche Frau paßt nun mal nicht in ein archaisch-anatolisches Weltbild, wie es das System Erdoğan und seine hiesigen Hools zu leben versuchen.

Der Screenshot links stammt aus der Puls 4 Sendung „Pro und Contra“ vom 6. März. Was Gördü da theatralisch ins Bild hält ist ein Photo, das Aslan bei einer Infoveranstaltung zu hauptsächlich sozialpolitischen Fragen in Innsbruck bei einem alevitischen Verein zeigt. Im Facebook-Eintrag des Veranstalters, der auch ursprünglich das Photo gepostet hatte, ist klar verständlich ausgeführt, dass erst im Anschluss an Aslans Vortrag das türkische Verfassungsreferendum diskutiert wurde. Glaubhafte Zeugen können bestätigen, dass sie bei dieser Diskussion nicht mehr anwesend war.

2017-03-12_085446Und was machen nun die faschistischen Agitatoren der UETD daraus? Wider besseren Wissens reißen sie das Bild aus dem Kontext und erfinden frei: „Nationalratsabgeordnete Aslan wirbt für „Nein“ für das Verfassungsrefendum in der Türkei“.

Die Markierungen am Bild sind nicht nur diffamierend, sondern im muslimischen Kontext brandgefährlich. Es ist eines, das „Nein“-Plakat der türkischen Kommunisten hervorzuheben – auch wenn die AbgzNR Aslan selbstverständlich nichts mit der Raumdekoration zu schaffen hatte – aber auch unser christliches Kreuz hervorzuheben, das impliziert dass man sie dem Vorwurf der Apostasie aussetzt. Diese wird im barbarischen System des unaufgeklärten Islam auch im 21. Jahrhundert noch mit dem Tode geahndet, auch in Westeuropa sind Bedrohungen evident. Wer also ebendieses Bild unreflektiert verbreitet setzt eine unserer österreichischen Parlamentarierinnen einer massiven physischen Gefahr aus.

Es ist nun eines, wenn sich Corinna Milborn als Diskussionsleiterin der Sendung „Pro und Contra“ durch Gördü’s antrainierte verbindliche Art übertölpeln lässt, und zulässt dass er dieses Bild lange in die Kamera hält, eine ganz andere Dimension erreicht es aber, wenn weitere österreichische Journalisten diesem Fake anheim fallen und ihn von jeglichen journalistischen Grundsätzen befreit weiterverbreiten.

2017-03-11_144656Einer davon ist der ATV-Redakteur Ruşen Timur Aksak, der zusammen mit Martin Thür 2015 den „Journalistenpreis Integration 2015″ verliehen bekam. Knapp zwei Jahre später mischt Aksak fröhlich bei der faktenbefreiten Hetze gegen eine Nationalrätin mit Migrationshintergrund mit. Am Screenshot links freut er sich über das gegenständliche Photo und vermeint eine smoking gun gefunden zu haben: „Das ist ja Gold […] Aslan hält Vortrag in Tirol, warum man mit nein beim türk. Referendum stimmen sollte […]“. Besonders erschwerend wäre hier zu werten, dass Aksak türkischstämmig ist und sehr wohl den Originalbeitrag zu lesen und verstehen in der Lage ist, das legt den Schluss nahe, dass er bewusst und wider besseren Wissens gegen die Abgeordnete Aslan hetzt, und sich im Laufe der Diskussion auch noch dem Gefährder Gördü fraternisiert.

Zustimmung erfährt er in diesem Austausch auf Facebook von Eva Zelechowski, einer Online-Redakteurin der Wiener Zeitung. Dass Zelechowski sich an dieser Hetzkampagne so bereitwillig beteiligt ist nochmal bedenklicher, da Herausgeber der Wiener Zeitung die Republik Österreich ist. Ob es zu den Aufgaben von Redakteuren staatsnaher Medien gehört, Nationalratsabgeordnete Gefahren auszusetzen, wird zeitnah anderswo beurteilt.

2017-03-11_143404Und da diese beiden „Qualitätsjournalisten“ gar so wenig von Quellenkritik halten, dokumentiere ich hier gerne ein weiteres Beispiel dafür, was von Gefährder Gördü’s beforzugter Lektüre so zu halten ist.

Das Bild zeigt wie der Parlamentsabgeordnete der in der Türkei regierenden AKP, Mehmet Babaoğlu, den Sitz der rechtsextremen MHP in Konya besucht um für ein „Ja“ zum Verfassungsrefendum zu werben. Im Text steht sinngemäß, dass jedes „Ja“ eine Ohrfeige der Osmanen an die Kreuzritter (also den Westen) sei. Am Bild zu sehen, wie sehr Babaoğlu sich über ein Spalier den faschistischen Wolfsgruß zeigender Parteigänger erfreut. Das reflektiert nun also die Quellenlage, die der ATV-Journalist Aksak mit „Gold“ umschreibt.

Grundsätzlich muss für die demokratischen Kräfte in Österreich gelten, dass wir unsere Mandatarinnen und Mandatare, egal welcher Couleur, weder von inländischen noch von ausländischen Agitatoren bedrohen, beziehungsweise irgendeiner Art von Gefahr aussetzen lassen. Wer auf diese Weise versucht den demokratischen Gestaltungsprozess zu beeinflussen, sollte mit der maximalen Härte des Gesetzes zur Verantwortung gezogen werden. Das sollte Konsens sein, umso unverständlicher ist es, dass es toleriert wird, wenn sich Journalisten wie der ATV-Redakteur Ruşen Timur Aksak und die Online-Redakteurin der Wiener Zeitung Eva Zelechowski an solchen Hetzkampagnen aktiv beteiligen. Eventuell wären hier allfällige Geldflüsse von der Türkei nach Österreich zu klären? …aber das ist pure faktenbefreite Spekulation und diese überlasse ich gerne den beiden sogenannten „Qualitätsjournalisten“.

Quelle des ersten Screenshot: puls4.com, Stand 11. März 2017, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: puls4.com/pro-und-contra/videos/ganze-folgen/Ganze-Folgen/Pro-und-Contra-der-PULS-4-News-Talk-vom-06.03.2017-493540

Quelle des zweiten Screenshot: facebook.com, Stand 11. März 2017, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: facebook.com/ViyanaGuncel/photos/a.1398730577006978.1073741828.1398724323674270/1870195823193782/?type=3

Quelle des dritten Screenshot: facebook.com, Stand 11. März 2017, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: facebook.com/photo.php?fbid=10203092929241012&set=a.1043370461396.5635.1739663886&type=3

Quelle des vierten Screenshot: facebook.com, Stand 11. März 2017, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: facebook.com/ViyanaGuncel/photos/a.1398730577006978.1073741828.1398724323674270/1873143269565704/?type=3