Propaganda für Dummies II

28. März 2017

Nachstehendem Video zufolge haben sich Begüm und Hakan Gördü ja trefflich dieser Tage in der Türkei amüsiert. Via Facebook lassen uns die Gördüs an ihrem hasstriefenden Spott teilhaben und stellen in den Raum, dass alle Berichte aus der Türkei über Repressalien gegen regierungskritische Menschen, Masseninhaftierungen, Folter und politisch motivierte Morde schlicht falsch wären, geradewegs als wäre die heutige Türkei ein Hort der Meinungsfreiheit und moderner demokratischer Gegebenheiten.

Der mit so viel Freude zur Schau gestellte Zynismus der beiden im Video wird wohl nur noch von Ramazan Aktaş getoppt, der sich in einer Diskussion zur Aussage verstieg, dass es den Türken in Europa derzeit wie seinerzeit den Juden ergehen würde. Jetzt mag Aktaş nicht unbedingt der Klügste sein, aber dass Dummheit nicht vor Strafverfolgung schützt hat ja auch der eine oder andere Freiheitliche von meiner Seite hier ja schon lernen müssen.

Was Gördü und Aktaş verbindet ist das Engagement für die mit faschistischen Methoden agierende AKP-Frontorganisation UETD. Wie ich hier beschrieben habe betreibt Erdoğans fünfte Kolonne Propaganda mit allen Mitteln, immer haarscharf an der strafrechtlichen Relevanz vorbei und mit einem Wahrheitsgehalt der selbst einen Herbert Kickl vor Scham erröten lässt.

Heute wollen wir aber einen Blick darauf werfen, wie es abseits der Funktionärskaste der UETD bei gemeinen Mitläufern unter den Erdoğan-Groupies in Österreich so aussieht. Ich such mal irgendeinen raus – random pick – und weil Kufstein in der Nähe ist, nehm ich mal den Nedim Aksak. Den Photos auf seinem Facebook-Profil zufolge wirkt er völlig normal und bestens integriert. 2010 hatte er gesucht am politischen Prozess zu partizipieren und mit seiner Gründung „Demokratie für Alle“ (DFA) für die Gemeinderatswahl in Kufstein kandidiert. Er konnte sogar heiße 1,55% der Wähler für sich gewinnen, für einen Einzug ins Stadtparlament reichte das aber nicht. Ein halbes Jahr später entschlummerte auch der Internetauftritt der DFA, nicht ohne vorher noch schnell gegen meine Urheberrechte zu verstoßen, aber was soll’s.

2017-03-28_160515Ob die von Aksak in der Folge via Facebook verbreiteten Inhalte weniger gschmackig ausgefallen wären, würde er Gemeinderat in Kufstein sein sei dahingestellt, auf mich wirkt es als ob er sich immer mehr radikalisiert hätte. Hier einige Beispiele:

Im Screenshot links teilt Aksak ein Video, in dem Österreich auf Skandalöses von Fritzl, über Bischof Krenn bis hin zu Hitler reduziert wird. Man könnte meinen, dass er hier schon vor Jahren AKP- bzw. UETD-Propaganda vorweg nimmt.

Politisch völlig naive Menschen wie ich könnten der Vermutung anheim fallen, dass es mit Aksaks politischen Ambitionen eventuell ein klein wenig friktionsfreier gewesen sein hätte können, hätte er einen etwas positiveren Zugang zu Österreich kommuniziert. Aber was weiß ich schon…

2017-03-28_161818Interessant auf seiner Seite auch ein Ausschnitt aus dem umstrittenen Bollywood-Film Kurbaan, der von islamistischen Propagandisten immer wieder gerne zur Rechtfertigung von Terroranschlägen im Westen herangezogen wird.

Im Ausschnitt wird erläutert, dass der sogenannte „heilige Krieg“ im Islam zugunsten von Friede und Toleranz in den Hintergrund treten würde und dass die gängige Definition von Terror falsch wäre. Die Filmfigur Riyaz deutet Terror überhaupt um und behauptet, dass „der weiße Westen“ die wahren Terroristen wären. Das tut er völlig wirr indem er in den Raum stellt, dass die Terroranschläge am 11. September 2001 eine Folge der Befreiung Afghanistans von den Taleban gewesen wären, und nicht umgekehrt.

Nicht umsonst wird dieses Video oft und gerne von Islamisten geteilt, was es aber auf der Facebook-Seite eines Kandidaten zum Kufsteiner Gemeinderat verloren haben soll verschließt sich mir völlig.

2017-03-28_163537Und weil wir gerade bei Verschwörungsmythen sind, hier links noch ein besonders schönes Beispiel. Das Photo stammt vom August 1991 und zeigt das mit mehreren tausend albanischen Flüchtlingen überfüllte Schiff Vlora.

Bei Aksak wird das Photo umgedeutet und aus flüchtenden Albanern werden Europäer, die angeblich im Ersten Weltkrieg nach Marokko und Tunesien zu fliehen versuchen würden. Demnach eine üble propagandistische Umdeutung, welche die türkische Regierungslinie der aufopfernden Rolle in der Flüchtlingsfrage reflektiert.

Im Reigen dieser türkischen Allmachts-Phantasien darf das Gördü-Zniachtel natürlich auch nicht fehlen (Original, hier gesichert), aber genug Grindiges für heute. Zusammengefasst lässt sich festhalten dass Aksaks Inhalte sehr hinterfragenswert sind, zumal er angibt Politikwissenschaften studiert zu haben (Original, hier gesichert). Anstatt aber Informationen kritisch zu würdigen gibt er völlig unreflektiert antiwestliche türkische und damit AKP-Propaganda und Fakenews wieder. Damit macht er sich zum idealen Mitläufer der Faschos in der UETD. Das natürlich nur, sollte er seinen Facebook-Auftritt selbst bedienen. Bei seiner Webseite zur DFA zumindest könnte man vermuten, dass er Hilfe an der Hand hatte welche geübter als er selbst im Umgang mit der hiesigen Landessprache ist. Aber das ist reine Spekulation und hat demnach auf meinen Seiten keinen Platz.

Quelle des Video: facebook.com, Stand 28. März 2017
Deeplink: facebook.com/hakan.gordu/videos/1039467359519875/

Quelle des ersten Screenshot: facebook.com, Stand 28. März 2016, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: facebook.com/nedim.aksak/posts/1253447031356688

Quelle des zweiten Screenshot: facebook.com, Stand 28. März 2016, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: facebook.com/nedim.aksak/posts/1210563235645068

Quelle des dritten Screenshot: facebook.com, Stand 28. März 2016, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: facebook.com/nedim.aksak/posts/1192594700775255