Gegrillte Pilze

11. September 2017

Zunächst die geputzten Pilze an der Oberseite mit einer Mischung aus Olivenöl (nicht kalt gepresst), Knoblauch und Salz bestreichen… Hoppala, falscher Text. Jetzt aber.

Vor knapp einer Woche hatte ich mich hier mit recht dubiosen Randerscheinungen unter den Wahlwerbern zur Nationalratswahl 2017 auseinandergesetzt. Nie hätte ich gedacht, dass auch Kandidaten der „Liste Peter Pilz“ in meinem Blog aufschlagen. Aber wie Peter Nindler in der Tiroler Tageszeitung richtig anmerkt: die politischen Glücksritter haben wieder Hochsaison.

Relativ behäbig, aber doch hat Peter Pilz auf die seinem Tiroler Listenzweiten Wilhelm Schlögl gegenüber erhobenen Vorwürfe reagiert. Keine Reaktion von Pilz erfolge bislang bezüglich der Warnungen um seinen Tiroler Listenvierten Karl-Heinz „Charly“ Grill. Grill selbst reagiert damit mich mit Klage zu bedrohen. Gegen politische Kritik mit juridischen Mitteln vorzugehen wäre auch für Peter Pilz ein Tiefpunkt politischer Kultur. Deshalb mache ich hier öffentlich, was es bei Grill anzumerken gibt.

2017-09-09_095837Der Screenshot links stammt von seinem Facebook-Auftritt. Auf den ersten Blick scheint der Inhalt völlig harmlos, Harald Lesch referiert über den Klimawandel. Interessant ist allerdings, wer diese Seite betreibt, es ist der deutsche Rechtsextremist Ernst Werth. In seinem Twitter Account wird Werth deutlicher, hier nur zwei Beispiele:

Sogar Hitler war mehr Demokrat als Merkel“ und „Bevor man über Reparatonen [sic!] redet, liebe Polen, wie wäre es mit der Rückgabe deutscher Gebiete.“

Werth nutzt die unverfänglichen Themen seiner Facebook-Seite „Mensch und Politik heute“ um leichtgläubige Leser mit zunächst harmlosen Beiträgen für seine radikalen Ideen zu begeistern. Im Jahr 2017 gibt es für die Verbreitung von Inhalten dieses Rechtsextremisten keine Ausreden, Quellenkritik muss für jeden politischen Akteur selbstverständlich sein.

Wenn beispielsweise Gottfried Küssel etwas völlig unverfängliches über meinethalben Hochbeete, Differentialgetriebe oder andere unpolitische Themen schreibt, dann verbreitet man das auch nicht weiter, an solchen Leuten streift man nun mal nicht an. Schon gar nicht, wenn man sich – wie Peter Pilz ankündigte – gegen Extremisten jeglicher Couleur stemmen will. Aber hier nun ein zweites aktuelles Beispiel für Grill’s Sendungsbewußtsein.

wutOGDrVGestern postet Grill nebenstehend dokumentierten Beitrag. Gleiches Muster wie oben, der Beitrag völlig unverfänglich, aber der ursprüngliche Poster ein no-go. Hinter dem Facebook-Auftritt „Der Wächter“ steckt die Berliner „Firma“ „Anonymous Ltd“, und diese ist seit langen dafür bekannt Fakenews zu verbreiten.

Auf der Seite „Der Wächter“ finden sich beispielsweise Beiträge wie jener, dass die Mafia in Neapel für „Ordnung“ sorgen würde und 120 Flüchtlinge mit Kopfschuss „hingerichtet“ habe. Eine seriöse Quelle dazu ist nicht auffindbar.

In einem anderen Beitrag schreibt „Der Wächter“ über die angeblich geglückte Flucht von Adolf Hitler nach Argentinien. Nicht umsonst ist „Der Wächter“ Stammgast bei den Fake-News-Aufdeckern von mimikama.at.

Was treibt einen Kandidaten der Liste Peter Pilz nun aber dazu rechtslastige Fake-News zu verbreiten? Ich weiß es nicht. Ich kann es auch nicht verstehen, weil wie oben geschrieben muss Quellenkritik für jeden politischen Akteur selbstverständlich sein, wer sich für den Nationalrat der Republik Österreich bewirbt sollte und darf nicht einfach jeden Inhalt im Internet teilen, immerhin macht sich Peter Pilz‘ Kandidat Karl-Heinz „Charly“ Grill somit zum Multiplikator der rechtsextremen Propagandamaschinerie.

Wieder bringt es Peter Nindler im oben schon einmal zitierten Beitrag der Tiroler Tageszeitung auf den Punkt: „Die Kandidatenauslese vor der Nationalratswahl am 15. Oktober läßt daran zweifeln, ob allen Parteien tatsächlich bewusst ist, dass das Hohe Haus die zentrale Schaltstelle der österreichischen Politik ist.“ Ich möchte nicht hoffen, dass es Kandidaten in den Nationalrat spült, die nicht imstande sind reale von Fakenews zu unterscheiden. Wie soll denn so jemand der Verantwortung gerecht werden Entscheidungen über das gesamte Land zu treffen?

Peter Pilz hatte angekündigt einen „Internet-Wahlkampf“ führen zu wollen. Wenn das bedeutet, dass seine Kandidaten auf rechte Fake-News zurückgreifen, dann haben wir ja noch einiges zu erwarten. Beschweren kann Pilz sich jedenfalls nicht, er war wiederholt gewarnt.

Mit diesem Personal ist die Liste Peter Pilz jedenfalls in Tirol unwählbar. Wie die Kronen Zeitung gestern richtig schreibt, hätte Pilz mit Erreichen der anvisierten zwei Mandate ein massives Problem. Der von Wilhelm Schlögl ihm gegenüber ausgesprochene Mandatsverzicht ist rechtlich völlig irrelevant. Schlögl käme ohne im Wahlkampf auch nur einen Finger gerührt zu haben in den Genuss eines Nationalratsmandates und somit würde ein Tiroler Pilz-Wähler womöglich die FPÖ stärken – die Nähe der „Agrarrebellen“ zu den Rechten ist ja evident.

Quelle des ersten Screenshot: facebook.com, Stand 09. September 2017, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: facebook.com/charly.grill.9/posts/10209855194356837

Quelle des zweiten Screenshot: facebook.com, Stand 09. September 2017, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: facebook.com/charly.grill.9/posts/10209863308799693?pnref=story