Nirwana

27. September 2017

Als ich vor 14 Tagen das erste Mal über Kandidaten der Liste Pilz schrieb war ich noch ein klein wenig verwundert, dass Leute wie Karl-Heinz „Charly“ Grill bei mir aufschlagen. Mittlerweile wundert mich gornisht mehr, was Peter Pilz angeht.

DKOjdlTXUAYE0HaMit 20. September hatte ich getwittert, dass Helene Gastl, Peter Pilz‘ Tiroler Landeslistenachte und drittgereihte Kandidatin im Wahlkreis 7B, sich das Nirwana – also Nichts – als politisches Ziel gesetzt hatte.

Einen Tag nach meinem Tweet, für Peter Pilz‘ Verhältnisse geradezu rasend schnell, war das Nirwana auf Gastls Seite ins Nirwana entschwunden – soviel zu „Unsere Kandidaten sind Programme„. Darauf basierend kann man sich lebhaft vorstellen, wie es bei einem allfälligen gutem Erfolg im parlamentarischen Klub von Peter Pilz zugehen wird: der Klubzwang wird wohl eher nicht fallen und ohne Sprachregelungen wird auch er nicht auskommen.

Aktuellen Umfragewerten zufolge wird das Helene Gastl zwar sicher nicht betreffen, aber dennoch werfen wir einen kurzen Blick auf sie, weil sie ein nettes Beispiel für die Kandidatenselektion der Liste Peter Pilz ist. Gastl führt am Internetauftritt der Liste Peter Pilz an auch als Yogalehrerin gearbeitet zu haben und sie ist auch heute noch als Obfrau des „Yoga Verein Kramsach“ zu finden (Original, hier gesichert).

Treibende Kraft unter Gastls Obfrauschaft bei den Kramsacher Yogis dürfte Rolf Wernisch sein, und hier werden wir fündig. Wernisch führt in seiner Selbstdarstellung (Original, hier gesichert) an, dass er unter anderem von 2005 bis 2007 eine „3-Jährige Grundausbildung zum ‚Spirituellen Heiler‘ bei El An Rea“ absolviert habe.

Schon bei den Worten „spiritueller Heiler“ werden meine p.t. Leser ein breites Grinsen nur schwer unterdrücken können – und tatsächlich, wir werden nicht enttäuscht: Bei „El An Rea“ handelt es sich um eine jener verrückten Betrügerinnen, die von sich behaupten von Licht zu leben (Original, hier gesichert). In der Ausbildung zum „spirituellen Heiler“ wurde Wernisch auch in den von „El An Rea“ praktizierten Methoden des „Theta Healing“ (Original, hier gesichert) und der „Neuen Germanischen Medizin“ (Original, hier gesichert) unterwiesen.

Bei „Theta Healing“ handelt es sich um pseudomedizinische Scharlatanerie die laut BBC im Ruf steht „unverantwortlich und sogar kriminell“ zu sein. Behauptet wird, dass mit dieser Methode Aids, Krebs, Knochenbrüche, Parasitenbefall, Diabetes und noch vieles mehr geheilt werden könne, ja sogar Autos repariert („geheilt“) werden können. Seriöse klinische Studien oder andere objektive Belege über angebliche Heilungserfolge sind nicht existent.

Ebenfalls in den Ausbildungen zum Heiler bei „El An Rea“ kommt die „Germanische Neue Medizin“ vor, welche in Österreich seit 1995 durch den Fall Olivia Pilhar einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist. Die Eltern hatten das krebskranke Kind einer sinnvollen Behandlung entzogen und dem Wunderheiler Ryke Geerd Hamer anvertraut. Das Kind konnte buchstäblich in letzter Minute gerettet werden, um die 500 Todesopfer seiner Behandlungsmethoden hatten dieses Glück nicht.

Dass seinen mörderischen Methoden Kritik entgegengebracht wird begründet Hamer mit antisemitischen Verschwörungsmythen: „Dass seine Habilitationsschrift und Lehre nicht angenommen wurden, sei dem Einfluss ‚jüdischer Logen‘ geschuldet. Diese würden Professoren, Richter und Journalisten beeinflussen, um eine „beispiellose Erkenntnisunterdrückungskampagne“ durchzusetzen. Er meint weiter, dass die ‚dumme alte Schulmedizin eigentlich eine jüdische Medizin‘ sei und es wäre ‚der wahnsinnige Kampf der Talmud-Zionisten, alle Nichtjuden umbringen zu wollen‘.“

Wenig überraschend hat sich der mittlerweile verstorbene Hamer den Reichsbürgern und Pilhar den Staatsverweigerern angeschlossen, Pilhar engagiert sich im unlängst zerschlagenen „Staatenbund Österreich“ um Monika Unger.

In solchen und noch mehr gefährlichen Ideologien wurde also ein maßgeblich federführender Mitarbeiter von Peter Pilz‘ Tiroler Kandidatin Helene Gastl drei Jahre lang indoktriniert. Nicht umsonst wird „El An Rea“ auch im Esoterik- und Sektenbericht des Landes Steiermark erwähnt. Nirwana scheint mir da gar nicht mal die schlechteste Option für die Liste Pilz in Tirol.

Quelle des ersten Screenshot: listepilz.at, Stand 20. September 2017, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: listepilz.at/helene-gastl