Hobbysatiriker

27. Februar 2018

Nein, also so war das nicht ausgemacht! So hatte sich Heinz-Christian Strache das gewiss nicht vorgestellt. Kaum ist er nicht mehr Abgeordneter zum Nationalrat und damit nicht mehr von der bislang weidlich ausgenutzten parlamentarischen Immunität geschützt, fällt der linkslinke Mob schon über ihn her und erdreistet sich doch tatsächlich die Lichtgestalt der aufrechten Teutschen im Lande mit Klagen zu belästigen.

Mittlerweile braut sich da einiges Ungemach zusammen, ich kann mich nicht erinnern, dass das Leitmedium ORF bislang jemals einen Vizekanzler der Republik klagte. Aus mehreren Gründen scheint Straches Ausflucht auf einen „Satirebeitrag am Faschingsdienstag“ fadenscheinig. Einerseits hat Strache mehrfach gezeigt, dass er zwischen Satire und Realität keinen Unterschied macht. Zum anderen hat der OGH bereits 2010 im Zusammenhang mit dem inflationär verwendeten Begriff der „Unschuldsvermutung“ ausgeführt, was von solchen Schutzbehauptungen zu halten ist – Strache-Fans wissen, wie solche Floskeln zu deuten sind.

Was bei Straches Äußerungen immer ein Problem ist, sind die auf den Fuß folgenden Überreaktionen seiner Mitläufer. So hat sich beispielsweise eine Facebook-Gruppe mit Namen „BBA“ – natürlich ist die Namensgleichheit mit der BBA des rechtsextremen Terroristen Franz Fuchs reiner Zufall – dazu verstiegen dem ORF-Moderator Armin Wolf benutztes Klopapier (Original, hier gesichert) zu senden.

cr_2018-02-27_113517Vermeintlich ein klein wenig gesitteter als der in der analen Phase steckengebliebene Facebook-Pöbel, stellt sich Friedrich Langberg, der Generalsekretär des Ring Freiheitlicher Jugend Burgenland, an. Er ist aufmerksamen Beobachtern eventuell schon mal aufgefallen, so gab er beispielsweise Anfang Dezember 2017 dem Identitären Alexander Markovics von Putins fünfter Kolonne „Suworow Institut“ ein Interview, das prompt von den rechtsextremen Holocaustleugnern bei „gloria.tv“ übernommen (Original, Screenshot hier gesichert) wurde.

Nebenstehender Screenshot stammt von seinem eigenen Internetauftritt mit Titel „Alternative Perspektiven“. Da im Gegensatz zu Strache jegliche Schutzbehauptung wie beispielsweise „Satire“ fehlt, lässt das manipulierte Bild nur zwei Interpretationen zu:

  • Langberg unterstellt, die ORF-Moderatorin Marie-Claire Zimmermann verbreitet NS-Propaganda oder
  • Langberg behauptet Zimmermann und der ORF verbreiten Falschmeldungen.
  • Nun könnte man diese Unterstellungen damit abtun, dass der siebente Zwerg von rechts versucht in die zu großen Fußstapfen von Strache zu treten – aber gschmackig daran ist zumindest, dass Langberg in Sachen ORF nicht nur Zuspruch von Strache erfährt (Original, hier gesichert), sondern auch verurteilte Hetzer wie der aus der FPÖ ausgeschlossene Werner Königshofer sich für den rechten Nachwuchs erwärmen (Original, hier gesichert).

    Abgesehen vom eigenen Internetauftritt verwendet Langberg die Zimmermann und ORF diffamierende Grafik auch am einschlägig bekannten Portal „fisch+fleisch“ (Original, hier gesichert), was wenig verwunderlich ist, bietet „fisch+fleisch“ ja auch verurteilten Holocaustleugnern wie Wolfgang Pestl eine Bühne.

    Eine kleine Randbemerkung noch: die sieben Zwerge des Ring Freiheitlicher Jugend Burgenland scheinen recht bemüht die Distanzierung von Vizekanzler Strache und Innenminister Kickl von den Identitären zu konterkarieren. Nicht nur Friedrich Langberg, auch Vorstandsmitglied Werner Wassicek fraternisiert mit Alexander Markovics (Original, hier gesichert). Aber mittlerweile kann man sich da ja nicht mehr ganz sicher sein – womöglich will Strache seine Distanzierung von den Identitären auch nur als „Satire“ verstanden wissen?

    Quelle des Screenshot: friedrichlangberg.at, Stand 27. Feber 2018, zum Vergrößern anklicken
    Deeplink: friedrichlangberg.at/f/orf-zwischen-lucken-und-lugenpresse