Angesellnert

5. April 2019

Es ist an der Zeit diesen kleinen Blog zu revitalisieren. Den Anlass dazu bieten die aktuellen Vorgänge um die sogenannte „Identitäre Bewegung“ – korrekt den „Verein zur Erhaltung und Förderung der kulturellen Identität“ – und dessen Vereinsobmann, den potentiellen Gefährder Martin Sellner. Neue Erkenntnisse habe ich keine zu bieten, die dummen Jungs werden derzeit ohnehin von etablierten Medien und kompetenten Stellen in Judikative und Exekutive durchleuchtet, was mich motiviert ist eine kurze Einschätzung der Auswirkungen des Sellnerschen Wirkens auf die Regierungskoalition. Meine Kommentare zu Sellner basieren auf seinen eigenen, authentischen Aussagen – welche ich im Text kursiv gesetzt einfließen lasse.

Grundsätzlich ist die sogenannte „Identitäre Bewegung“ nicht uninteressant. Die selbsternannten Patrioten suchen seit Jahren die Deutungshoheit der Begriffe „Patriot“ und „Heimatliebe“ an sich zu reißen, alleine es mag nicht so recht gelingen. Im Verfassungsschutzbericht 2016 gelingt eine treffende Beschreibung des Vereines: „[…] schließen die agitierenden Gruppierungen teilweise an klassische rechtsextremistische Ideologieelemente an und geben sich in der öffentlichen Selbstdarstellung und in ihrer Propagandaarbeit als „besorgte Bürger“, „Patrioten“, „Verteidiger der europäischen Kultur“, „Kämpfer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ und als „patriotische Beschützer“ der von ihnen definierten „Identitären Generation“. Die offensichtlichste Strategie derartiger Bewegungen und Netzwerke liegt […] im Versuch, rechtsextreme Einstellungsmuster in der Öffentlichkeit „salonfähig“ zu machen […].“.

Was sie weiter interessant macht ist das Naheverhältnis zur FPÖ, das so lange goutiert wurde als Strache und Co nicht in der Regierungsverantwortung waren und man sich die kuschelige Koexistenz, die Sellner mit dem Verhältnis von Greenpeace zu den Grünen vergleicht, erlauben konnte. Mittlerweile muss Vizekanzler Strache Sachzwängen folgen, sich in Sprache und Handeln einschränken und sich dem Koalitionspartner ÖVP anbiedern. Dass das nicht lange gut gehen konnte liegt auf der Hand: Die sogenannte „Identitäre Bewegung“ ist drauf und dran das von der notgedrungen mittlerweile Kreide fressenden FPÖ rechts außen hinterlassene Vakuum zu füllen. Das kann die FPÖ selbstverständlich nicht zulassen, muss aber der Koalitionsräson folgen und so bleibt nur der Versuch die ehemals gern gesehenen Kameraden zu schwächen.

Der schleppend anlaufende Wahlkampf zur Europawahl und wohl auch der Vorwahlkampf zur steirischen Landtagswahl bringen zusätzlich die FPÖ in Zugzwang. Die Berater des an sich ideologiebefreiten Bundeskanzler Kurz haben richtig erkannt, dass es ein Leichtes ist das durch die Koalition mit der FPÖ international angeschlagene Image durch klare Worte gegen die sogenannte „Identitäre Bewegung“ aufzupolieren und zugleich den Mitbewerber FPÖ zu schwächen. Strache findet sich in einer Doppelmühle wieder: Überrumpelt von Kurz musste er zunächst kooperieren, aber er sieht sich dadurch massiver Kritik seiner Kernwähler ausgesetzt. Mittlerweile sucht Kurz einen seiner Kardinalfehler auszubügeln und die im Regierungsprogramm festgeschriebene Berichtspflicht aller fahrlässig der FPÖ überlassenen Nachrichtendienste an Bundes- und Vizekanzler durchzusetzen, was bei der FPÖ auf Widerstand stößt.

2019-04-02_175259Wie reagiert Sellner nun? Der hatte jahrelang Gelegenheit sich in außerparlamentarischer Opposition zu erproben und staatliche Maßnahmen wie Hausdurchsuchungen und Strafverfahren sind durchaus nichts Außergewöhnliches für ihn. Die nach dem letztjährigen Freispruch erneute Anklage kommt ihm und seiner Propagandashow, der bevorzugten Selbstdarstellung als Opfer eines tiefen Linksstaat mit Sitz in der Staatsanwaltschaft Graz, durchaus gelegen. Der Screenshot links zeigt den Narzissten Sellner in seinem natural habitat, umgeben von Mikrofonen und Kameras. Dass er illuminiert wirkt mag auf die Fähigkeiten des Kameramannes zurückzuführen sein, ist aber durchaus sinnbildlich.

Sinnbildlich, da sich Sellner, wie alle Verbreiter von Verschwörungymythen, erleuchtet im alleinigen Besitz der Wahrheit wähnt. Bislang beschränkte sich sein Verschwörungsmythos großteils auf die verquere Idee des große Austausch, mittlerweile spinnt er einen hysterischen Verschwörungsmythos in eigener Sache: Der tiefe Linksstaat mit Sitz in der Staatsanwaltschaft Graz induziert eine kollektive Massenpsychose, die in der Forderung nach einem Blutopfer Sellner gipfelt. Aber ob der maxmial öffentlichkeitswirksamen Vorgänge schließt Sellner eventuell unbewusst korrekt: Ich beschwere mich nicht darüber, dass das Attentat uns [die sogenannte „Identitäre Bewegung“] zum Opfer gemacht hat.

In einem weiteren seiner unzähligen Videos mit seinem derzeit sich im sicheren Indien befindlichen Mini-Me Patrick Lenart schwadroniert Sellner folgerichtig darüber dass er froh sei, in dieser historisch einzigartigen Epoche auf der richtigen Seite stehen zu können. Beide fühlen sich im semi-totalitären Gesinnungs- bzw. Clownstaat Österreich nicht sicher und so denkt Sellner eine Flucht nach Paraguay an. Eh klar, wohin sonst, Paraguay war in einschlägigen Kreisen schon immer beliebt. Bis zu Decatur scheint der angebliche Patriotismus demnach nicht zu reichen. Alternativ bettelt Sellner in einer heroischer Überhöhung seiner Opferpose um Inhaftierung, wohl um so eine Dolchstoßlegende nach Muster Festungshaft zu schaffen?

2019-04-05_071926Dazu passt, dass er für seine verschwörungsgläubigen Anhänger das Bild eines omnipräsent allmächtigen Repressionsstaates Österreich entwirft, wenn er Bundeskanzler Kurz und Vizekanzler Strache für den Entzug seines USA-Visum in die Verantwortung nimmt. So weit reicht der Einfluss Österreichs allerdings sicher nicht, aber dass ihn nach Strache nun auch sein gottgleich verehrter (Original, hier gesichert) Trump verlässt, das wäre wohl ein klein wenig zu viel.

Was wird nun bleiben von der erneuten Anklage gegen Sellner? Was bisher über den Akt medial transportiert wurde lässt auf eine äußert dünne Suppe schließen. Ein Tatsachensubstrat einer ideologischen Beitragstäterschaft könnte konstruiert werden, dürfte aber keinen Bestand haben. Obgleich es einen Präzedenzfall dazu gibt: OGH 6Ob18/94 zufolge durfte Jörg Haider ungestraft „politischer Ziehvater und Ideologe des rechtsextremen Terrorismus“ geschimpft werden. Das wird für eine Verurteilung nicht reichen, aber es verortet Sellner dort, wo er in der allgemeinen Wahrnehmung hingehört. Und die Linie von Haider zu Sellner zeichnete der aus der FPÖ geKICKLte verurteilte Verhetzer Werner Königshofer ohnehin schon vor Jahren.

Alle Zitate sind in den diversen Videos auf Sellners Youtube-Kanal zu finden.

Quelle des ersten Screenshot: youtube.com, Stand 05. April 2019, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: youtu.be/CGkIHND5m20

Quelle des zweiten Screenshot: twitter.com, Stand 05. April 2019, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: twitter.com/Martin_Sellner/status/796297677910769664

KKK – Kickls Kamerad Kamper

2. Juni 2018

Im Bundespräsidentenwahlkampf 2016 konnte die ansonsten unbedeutende FPÖ Kapfenberg ihre 15 Minuten abfeiern. Auf ihrem auch heute noch rechtswidrig gestalteten Facebook-Auftritt hatten die Kameraden Alexander Van der Bellen mit Adolf Hitler verglichen. Wer in der FPÖ dafür persönlich in die Verantwortung zu nehmen wäre wurde nie bekannt.

2018-06-01_075657Am Bild links ist der Kapfenberger Freiheitliche Manuel Kamper in seinem sozialen Gefüge zu sehen. Neben der FPÖ gehören dazu der Kameradschaftsbund und das Bundesministerium für Inneres, wo Kamper eigenen Angaben zufolge das „Schengeninformationssystem“ leitet (also wohl das Referat 2.3 im Bundeskriminalamt).

Auf seinen Internetauftritten stellt er sich als IT-Tausendsassa dar und so liegt es nahe, dass er diese auch selbst bedient; so etwa auch seine Linksammlung (Original, hier gesichert), in der Kamper auch die „Heimseite der FPÖ Kapfenberg“ verlinkt.

Die einschlägige Umschreibung mit „Heimseite“ lässt ahnen, dass bei Kamper noch einiges zu finden sein wird. Dass er erstaunlich.at und unzensuriert.at als seriöse politische Medien einstuft und verlinkt liegt nahe; andere Heimseiten von Hauptstrommedien hat er nicht verlinkt, man möchte ja in der kleinen rückwärtsgewandten Welt nicht gestört werden.

2018-06-01_080137Ebenfalls verlinkt ist sein youtube-Kanal mit Namen „COPkamp“ (Original, hier gesichert). Darauf, und meines Wissens nur darauf, sind sechs Videos eines Modellflugzeuges ME 163 mit Hakenkreuz, einer der „Wunderwaffen“ NS-Deutschlands, zu sehen. Aus gutem Grund wird dieses Modellflugzeug ohne verfassungsfeindliche Abzeichen vertrieben, und ich kann auch kein anderes Modell dieser Type mit Hakenkreuz finden.

Die einschlägigen Bestimmungen des Verbots- und Abzeichengesetzes sind dem Polizisten Kamper sicher bekannt, er muss auch wissen, das das Flugzeugmodell gar nicht ihm gehören muss, es reicht, dass er unreflektiert Bilder und Videos davon öffentlich verbreitet.

Wie eingangs erwähnt hat sich die FPÖ Kapfenberg sehr weit aus dem Fenster gelehnt und im Wahlkampf Bundespräsident Van der Bellen gröblichst beleidigt. Der damals zuständige Kamerad zog es vor sich feige in der Anonymität zu verstecken und wurde von der FPÖ gedeckt.

img_bg_1_gradientDas Bild links stammt vom anonym betriebenen Internetauftritt vdb-countdown.tk, auf der ein Countdown zum Ende der ersten Amtsperiode von Bundespräsident Van der Bellen läuft. Hasserfüllt kommentiert mit „Die österreichischen Bürger haben das Recht, jederzeit, einfach und ohne jegliche Hürden, festzustellen, wie lange der VDB noch in der Hofburg verweilt und diese vollqualmt.“ [sic!]. Verbreitet wird diese anonyme Seite ausschließlich auf den Facebook- (Original, hier gesichert) und Twitteraccounts (Original, hier gesichert) von Kamper.

Gerne verweise die freiheitlichen Einzefälle ja auf Zufälle; das wären nun aber schon zwei Zufälle, die sich zudem bestens in das Kampersche Gesamtbild fügen. Kein Zufall kann es allerdings mehr sein, wenn die anonyme gegen den Bundespräsidenten hetzende Webseite unter der identen IP gehostet ist, wie der Weltnetzauftritt von Manuel Kamper:

Traceroute Results for vdb-countdown.tk
==============
traceroute to vdb-countdown.tk (81.19.152.106), 30 hops max, 60 byte packets
==============
Traceroute Results for manuelkamper.com
==============
traceroute to manuelkamper.com (81.19.152.106), 30 hops max, 60 byte packets

Wir haben es hier also mit einem Freiheitlichen zu tun, der NS-Symbole verbreitet und anonym den Bundespräsidenten beleidigt. Soweit nichts Außergewöhnliches, aber Kamper ist zudem noch ein ranghoher Beamter im Innenministerium, somit ist bei ihm auch das Dienstrecht zu bemühen.

In einer Pressekonferenz am 29. Mai wurde angekündigt, dass das Bundeskriminalamt Agenden des Bundesamt für Verfassungsschutz übernehmen soll. Somit könnte dann dieser achtundachtzigste Zwerg von rechts in der Bekämpfung verfassungsfeindlicher Umtriebe noch eine große Karriere vor sich haben. Seine ideologische Zuverlässigkeit hat er ja Kamerad Kickl bewiesen.

Quelle des ersten Screenshot: manuelkamper.com, Stand 01. Juni 2018, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: manuelkamper.com/images/life.jpg

Quelle des zweiten Screenshot: youtube.com, Stand 01. Juni 2018, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: youtube.com/watch?v=mh-oH0k-c_c

Quelle des dritten Screenshot: vdb-countdown.tk, Stand 01. Juni 2018, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: vdb-countdown.tk/images/img_bg_1_gradient.jpg

Russenliebchen

15. Mai 2018

Mit 10. Mai haben die Demokraten im Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses über 3500 Annoncen veröffentlicht, mit denen Russland die US-amerikanische Öffentlichkeit vor den US Präsidentenwahlen 2016 via Facebook zu beeinflussen versuchte.

Die gesammelten Screenshots sind Teil einer Anklage von Sonderermittler Robert Mueller zu möglichen Verbindungen von Donald Trumps Wahlkampfteam mit russischen Stellen. Gegen eine Reihe russischer Unternehmen und Staatsbürger wird unter anderem der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Verschwörung und Identitätsdiebstahl erhoben.

2018-05-14_183336Ganz besonders interessant finde ich Anlage P(1)0003123 der Anzeige, in der eine Facebook-Annonce vom Oktober 2016 dokumentiert wird. Hier links ein Screenshot des Dokumentes.

Auszugsweise frei Übersetzt postet eine imaginäre „Army of Jesus“: „Die Amerikaner können einen Präsidenten [Trump] mit hohen moralischen Prinzipien wählen. Hillary [Clinton] ist ein Satan, sie hat durch ihre Verbrechen und Lügen bewiesen wie böse sie ist.“

Der Text ist faktenbefreit und plakativ einfach und dürfte somit der im Dokument beschriebenen Zielgruppe entsprechen. Die Bildmontage mit einer Satans- und einer Jesusdarstellung beim Armdrücken dürfte ebenso beim gewünschten Publikum bestens ankommen, die starke Bildwirkung entfaltet jedenfalls mehr Effekt als jeder Text.

Das trifft auf alle Menschen zu, aber mit solchen simplifizierten Botschaften wie einem Kampf „Gut“ gegen „Böse“ und der entsprechenden grafischen Darstellung und Rollenzuschreibung – Satan = Clinton vs. Jesus = Trump-Unterstützer – werden eindeutig eher einfache Naturen angesprochen.

2018-05-13_181427Sechs Jahre vor der Veröffentlichung dieser Annonce hat sie leicht geändert schon ein anderer Politiker auf Facebook veröffentlicht: Vizekanzler Heinz-Christian Strache von der FPÖ.

Der Text hier ist noch eine Spur radikaler als im russischen Pendant: „Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes… …H.C. Strache ist das Volk.“ – somit wird in dieser Logik Strache einem Gottwesen gleichgestellt. Das dürfte nun selbst Strache etwas zu heiß sein, er selbst beschreibt das Bild schaumgebremst, aber dennoch zustimmend, als Karikatur. Jedenfalls scheinen Trump und Strache in Nachrichtenvermittlung und Zielgruppe idente Ziele verfolgen. So hat es für Strache sogar zum Zaungast bei Trumps Inauguration gereicht.

Interessant wird die Geschichte, wenn man sich den ominösen „Fünf-Jahres-Vertrag“, den die FPÖ mit dem SVR, nein Entschuldigung, mit Putins Partei „Einiges Russland“ geschlossen hat in Erinnerung ruft. Im Vertrag wird eine Zusammenarbeit zwischen der FPÖ und „Einiges Russland“ auf allen Ebenen vereinbart. Gezeichnet wurde er von Heinz-Christian Strache und Sergei Zheleznyak.

FP-UND-PUTIN-PARTEI-UNTERZEICHNETEN-KOOPERATIONS-VERTRAG_1482143395039847Am Photo links ist Strache eingrahmt von Zheleznyak [links, zwischen Hofer und Strache] und Tolstoy [rechts, zwischen Strache und Gudenus] zu sehen.

Zu Tolstoy gibt es nicht viel zu sagen, außer vielleicht, dass er 2017 wegen antisemitischer Äußerungen auffällig wurde. Eigentlich eine Zumutung, so jemanden zwischen die glühenden Philosemiten Strache und Gudenus zu platzieren! Skandal sondergleichen!

Offenbar weit weniger skandalös – zumindest in der blauen Reichshälfte – dürfte es sein, dass Straches Vertragspartner Zheleznyak seit 2014 auf der EU-Sanktionenliste und der US-amerikanischen SDN-Liste geführt wird. Das ist nun kein Geheimwissen, es ist schlicht undenkbar, dass Strache und seine Entourage nicht gewusst haben mit welcher Paria sie sich da einlassen. Ganz im Gegenteil: Strache verlautbarte bei der Gelegenheit erneut, dass Die EU-Sanktionen „enttäuschend“ wären und die FPÖ gegen diese sei.

Zurück zum eingangs erwähnten Strafverfahren in den USA. Hauptbeklagt sind die russischen Trollfabriken „Internet Research Agency“ und „Concord Management and Consulting“, beide gelenkt von Yevgeny Prigozhin.

Prigozhin ist Putins und Zheleznyaks Mann fürs Grobe: Neben Cyber Warfare ist auch echtes Wet Work in seinem Angebot. Die russische Söldnertruppe Vagner wird seinem Einflussbereich zugeschrieben, sie spielte nicht nur bei der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim und den Auseinandersetzungen in der Ostukraine eine Rolle, sondern auch in Nord-Syrien bei der Aggression gegen die Kurden. Wenig überraschend gefällt sich Zheleznyak damit für Prigozhin in die Presche zu springen.

2018-05-12_122614Zusammengefasst haben wir also einen FPÖ-Russland Kooperationsvertrag und ein hasserfülltes Sujet, das zuerst bei Strache und später bei einer in den USA angeklagten Trollfabrik auftaucht. Zufall? Unwahrscheinlich, eher Рука руку моет – zumindest in der Qualität „stichhaltiges Gerücht“.

Das in den USA verfahrensgegenständliche und auch von Strache verwendete Bild taucht übrigens in weiteren Versionen auf. Aber wie wir wissen kann das ja nun unmöglich auch nur am Rande irgendwas mit der FPÖ zu tun haben! Wie ich bereits hier erwähnte: „Ich halte mich da raus! Ich glaube alles, was dogmatisch vorgeschrieben ist.„.

Unabhängig von dieser Schilderung möchte ich zum Verhältnis Russlands zu europäischen Rechten das großartige Buch „Russia and the Western Far Right: Tango Noir“ von Anton Shekhovtsov unbedingt empfehlen. Kaufen! Lesen!

Quelle des ersten Screenshot: democrats-intelligence.house.gov, Stand 14. Mai 2018, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: democrats-intelligence.house.gov/facebook-ads/social-media-advertisements.htm

Quelle des zweiten Screenshot: facebook.com, Stand 14. Mai 2018, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: facebook.com/HCStrache/photos/a.226243068590.133860.74865038590/10150713220703591/?type=3&theater

Quelle des dritten Screenshot: diepresse.com, Stand 14. Mai 2018, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: diepresse.com/home/politik/innenpolitik/5136136/FPOe-schliesst-FuenfJahresVertrag-mit-KremlPartei

Quelle des vierten Screenshot: nationalsocialistreeducation.wordpress.com, Stand 14. Mai 2018, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: nationalsocialistreeducation.wordpress.com/2015/11/09/der-kampf-zwischen-gut-und-bose-the-struggle-between-good-and-evil/ – aus naheliegenden Gründen verlinke ich das nicht.

Man muss die Dinge beim Namen nennen

4. Mai 2018

Aufzeichnung und Transkript der großartigen Rede des Schriftstellers Michael Köhlmeier, die er heute im Zeremoniensaal der Hofburg anlässlich der Gedenkveranstaltung des Parlaments gegen Gewalt und Rassismus im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus hielt:

 

+++

Sehr geehrte Damen und Herren

Präsident Sobotka hat mir Mut gemacht, als er gesagt hat man muss die Dinge beim Namen nennen.

Und bitte erwarten Sie nicht von mir, dass ich mich dumm stelle.

Nicht an so einem Tag, und nicht bei so einer Zusammenkunft.

Ich möchte nur Eines: Den Ermordeten des NS-Regimes, von deren Leben die jungen Damen und Herren vorhin so unglaublich eindringlich berichtet haben, in die Augen sehen können. Und sei es auch nur mit Hilfe Ihrer und mit Hilfe meiner Einbildungskraft.

Und diese Menschen höre ich fragen, was wirst Du zu jenen sagen, die hier sitzen und einer Partei angehören, von deren Mitgliedern immer wieder einige nahezu im Wochenrythmus Nazi-Verharmlosende, oder antisemitische oder rassistische Meldungen abgeben – entweder gleich in der krassen Öffentlichkeit, oder klamm versteckt in den Foren und sozialen Medien.

Was wirst Du zu denen sagen? Willst Du so tun, als wüsstest Du das alles nicht, als wüsstest Du nicht, was gemeint ist, wenn sie ihre Codes austauschen. Einmal von gewissen Kreisen an der Ostküste sprechen, dann mit der Zahl 88 spielen oder wie eben erst den Namen George Soros als Click verwenden zu Verschwörungstheorien in der unseligen Tradition der Protokolle der Weisen von Zion.

Der Begriff “stichhaltige Gerüchte” wird seinen Platz finden im Wörterbuch der Niedertracht und der Verleumdung.

Gehörst Du auch zu denen, höre ich fragen, die sich abstumpfen haben lassen, die durch das gespenstische “immer wieder” dieser Einzelfälle nicht mehr alarmiert sind, sondern im gegenteil das häufige Auftreten solcher Fälle als Symptom der Landläufigkeit abtun. Des Normalen. Des kenn’ ma eh schon. Des einschläfernden “is nix Neues”.

Zum großen Bösen kamen die Menschen nie mit einem Schritt. Nie.
Sondern mit vielen Kleinen, von denen jeder zu klein schien für eine große Empörung.

Erst wird gesagt, dann wird getan.

Willst Du es Dir, so höre ich fragen, des lieben Friedens willen widerspruchlos gefallen lassen, wenn ein Innenminister wieder davon spricht, dass Menschen konzentriert gehalten werden sollen?

Willst Du feige die Zähne zusammenbeissen, wo gar keine Veranlassung zur Feigheit besteht?
Wer kann Dir in Deinem Land, in Deiner Zeit, schon etwas tun, wenn Du die Wahrheit sagst?

Wenn diese Partei, die ein Teil unserer Regierung ist, heute dazu aufruft, dass Juden in unserem Land vor dem Antisemitismus mancher Muslime, die zu uns kommen, geschützt werden müssen, so wäre das recht und richtig. Alleine, ich glaube den Aufrufen nicht.

Antiislamismus soll mit Philosemitismus begründet werden. Das ist genauso verlogen wie ehedem die kreuzfuchtelnde Liebe zum Christentum.

Sündenböcke braucht das Land.

Braucht unser Land wirklich Sündenböcke?

Wer traut uns solche moralische Verkommenheit zu?

Kann man in einer nahestehenden Gazette schreiben, die befreiten Häftlinge aus Mauthausen seien eine Landplage gewesen und sich zugleich zu Verteidigern und Beschützern der Juden aufschwingen?

Man kann.

Ja, man kann.

Mich bestürtzt das Eine, das Andere glaube ich nicht. Und wer das glaubt ist entweder ein Idiot, oder er tut so als ob – dann ist er ein Zyniker. Und beides möchte ich nicht sein.

Meine Damen und Herren, Sie haben diese Geschichten gehört, die von den jungen Menschen gesammelt wurden. Und sicher haben Sie sich gedacht hätten diese armen Menschen damals doch nur fliehen können.

Aber Sie wissen doch, es hat auch damals schon Menschen gegeben, auf der ganzen Welt, die sich damit brüsteten Fluchtrouten geschlossen zu haben.

Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich heute vor Ihnen sagen soll. Und mir wäre lieber gewesen, man hätte mich nicht gefragt, ob ich sprechen will. Aber man hat mich gefragt und ich empfinde es als meine staatsbürgerliche Pflicht, es zu tun.

Es wäre so leicht, all die Standards von “nie wieder” bis “nie vergessen”, diese zu Phrasen geronnenen Betroffenheiten aneinander zu reihen, wie es für Schulaufsätze vielleicht empfohlen wird um eine gute Note zu bekommen.

Aber dazu müsste man so tun als ob. Und das kann ich nicht, und das will ich nicht.

Schon gar nicht an diesem Tag, schon gar nicht bei dieser Zusammenkunft.

Ich möchte den Opfern, die mit Hilfe der Recherchen und der Erzählungen dieser jungen Menschen, und mit Ihrer und mit meiner Einbildungskraft, zu mir und zu Ihnen sprechen, und mir zuhören – ihnen möchte ich in die Augen sehen können.

Und mir selbst auch.

Und mehr habe ich nicht zu sagen.

Danke.

+ + +

Und geradewegs um Michael Köhlmeier zu bestätigen nun noch einige wenige Kommentare zu seiner Rede von der Facebook-Seite von Heinz-Christian Strache:

2018-05-04_190032

Quelle des Video: ORF

Quelle des Screenshot: facebook.com, Stand 04. Mai 2018, zum Vergrößern anklicken
Deeplink: facebook.com/HCStrache/posts/10155913095838591

2. Akt

11. März 2018

Ab und an haben gerichtliche Auseinandersetzungen etwas leicht Groteskes an sich, insbesondere, wenn man sich mit dem Themengemenge meiner Internetauftritte auseinandersetzt. Im Herbst letzten Jahres hat mich der Grazer Alexander Hermann wegen meines Blogeintrages „SYSTEMAtische Subversion“ geklagt. Hermann meinte ich würde ihm darin übel nachreden und hätte Delikte gegen seine Ehre gesetzt, für den angeblich erlittenen Schaden forderte er Euro 10.000,-.

Dass ein Staatsverweigerer ein Gericht jenes Staates anruft, den er seiner Ideologie zufolge nicht anerkennt, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Der Kläger hatte auch ansatzweise versucht eines der üblichen Happenings der Szene aus den Gerichtsterminen zu machen (Original, hier gesichert), aber wohl angesichts der Verhaftungswelle und der neu geschaffenen Straftatbeständen gelang es ihm nicht, seine Gesinnungsgenossen zu mobilisieren – niemand folgte seiner Einladung. Wenig überraschend wurde ich über beide Instanzen freigesprochen, der von mir angetretene Wahrheitsbeweis zu den von mir im verfahrensgegenständlichen Blogeintrag verbreiteten Fakten war unumstößlich.

Auszug_Urteil1_082

Landesgericht wie auch Oberlandesgericht Innsbruck haben festgehalten, dass Alexander Hermann „seine persönliche Wahrheit über die objektive Wahrheit stellt“. Das fand unter anderem darin Ausdruck, dass Hermann auch nach Konfrontation mit objektiven Beweisen dabei blieb meinen Blogeintrag als unwahr zu bestreiten.

Auszug_Urteil1_083

Durch die Bank erfolglos waren die Einlassungen Hermanns rechtsfreundlicher Vertretung, der Wiener Anwältin Vera Weld. So hatte sie sich beispielsweise dazu verstiegen eine Hausdurchsuchung und die Beschlagnahme meiner IT-Infrastruktur zu beantragen, was angesichts des Umstandes dass ich selbstverständlich zu jedem von mir geschriebenem Wort stehe, abzulehnen war.

weld_2018-03-11_231759 Vera Weld posiert hier am Screenshot links mit dem Russen Michail Petrowitsch Schetinin. Er verfolgt einen gerüttelt originellen pädagogischen Ansatz, der auf der rechtsesoterischen Anastasia-Bewegung fußt und Kinder mit strammen russischen Nationalismus (manche meinen sogar Stalinismus) und auch Militarismus indoktriniert. Sehr originell fand ich auch Welds Schriftsatz mit dem sie die Berufung zum erstinstanzlichen Urteiles erhoben hatte. Durchwegs ignorierte Weld die im Erstverfahren aufgenommenen Beweise und begehrte unter anderem nachstehende nicht näher von ihr begründete Ersatzfeststellungen:

  • Alexander Hermann gehört nicht der Staatsverweigererszene an.
  • Alexander Hermann gehört nicht der rechtsextremen Szene an.
  • Weld konnte ihr Begehren allerdings nicht substanziell untermauern und so scheiterte sie auch in zweiter Instanz im Feber 2018 am Oberlandesgericht Innsbruck. Das heißt nun also meine von Hermann geklagten im verfahrensgegenständlichen Blogeintrag erwähnten Fakten sind wahr und dürfen auch weiterhin auf meinem Internetauftritt in der ursprünglichen Fassung Verbreitung finden.

    Nun könnte man meinen, dass die Sache damit ein – zumindest für mich – erfreuliches Ende genommen hat und dass das Verfahren bei Alexander Hermann eventuell einen Lernprozess initiiert hat. Wenn ich mir aber seine aktuellen Facebook-Postings ansehe, dann bleibt eigentlich nur noch Kopfschütteln ob seiner Borniertheit.

    2018-02-22_212240 Nur einen Tag nach dem erstinstanzlichen Urteil, also am 22. Feber 2018, verbreitet Hermann nebenstehendes Posting und setzt einen süffisanten Kommentar über eine angebliche Faul- und Dummheit jener, die das CND-Symbol ☮ verwenden, sei es doch in – seiner Version der – Wahrheit die in der Bedeutung fiktive Todesrune ᛦ, welche erst unter dem Nationalsozialistischen Regime weitere Verbreitung fand und sich oftmals auf Grabsteinen von SS-Verbrechern findet.

    Schon 1982 folgte der Verwaltungsgerichtshof einem Straferkenntnis der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten, wonach diese Runen gegen das Abzeichengesetz verstoßen. Anlass war die Verwendung durch die neonazistische „Nationaldemokratische Partei“, gegründet vom Terroristen und Neonazi-Größe Norbert Burger, den Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache als „Vaterersatz“ sah.

    2018-02-10_003014 Da überrascht es dann wenig, dass Hermann mit 9. Feber 2018 ein Video des mehrfach – unter anderem wegen eines tätlichen Angriffes auf einen Polizeibeamten – verurteilen englischen Neonazi Stephen Yaxley-Lennon teilt, der hier unter dem Pseudonym „Tommy Robinson“ auftritt.

    Schier endlos ließe sich diese Aufzählung fortsetzen, Anfang März verbreitet Hermann die schon lange widerlegte Geschichte um die angebliche deutsche Grün-Politikerin „Petra Klamm-Rothberger“ (Original, hier gesichert), wenig später behauptet er eine „Medienlüge“ über ungarische Polizisten – mit einem Bild von Ausschreitungen Palästinenser in Israel aus 2005 (Original, hier gesichert). Wessen Geistes Kind Alexander Hermann ist angesichts der Menge an einschlägigen Beispielen seiner Denkweise evident.

    Meine p.t. Leser erkennen das Muster, das auch die Gerichte über zwei Instanzen bei Alexander Hermann erkannten: Hermann stellt seine persönliche Wahrheit über die objektive Wahrheit. Dieser Ansicht kann ich mich nur anschließen.

    Quelle des ersten Faksimile: Urteil LG Innsbruck GZ 24 Hv 93/17s vom 24. Oktober 2017

    Quelle des zweiten Faksimile: Urteil LG Innsbruck GZ 24 Hv 93/17s vom 24. Oktober 2017

    Quelle des ersten Screenshot: facebook.com, Stand 10. März 2018, zum Vergrößern anklicken
    Deeplink: facebook.com/photo.php?fbid=1391575837757139&set=a.1375349772713079.1073741827.100007142070685&type=3

    Quelle des zweiten Screenshot: facebook.com, Stand 22. Feber 2018, zum Vergrößern anklicken
    Deeplink: facebook.com/AlexSYSTEMA/posts/2045853588989468

    Quelle des zweiten Screenshot: facebook.com, Stand 22. Feber 2018, zum Vergrößern anklicken
    Deeplink: facebook.com/AlexSYSTEMA/posts/2039681459606681

    Hobbysatiriker

    27. Februar 2018

    Nein, also so war das nicht ausgemacht! So hatte sich Heinz-Christian Strache das gewiss nicht vorgestellt. Kaum ist er nicht mehr Abgeordneter zum Nationalrat und damit nicht mehr von der bislang weidlich ausgenutzten parlamentarischen Immunität geschützt, fällt der linkslinke Mob schon über ihn her und erdreistet sich doch tatsächlich die Lichtgestalt der aufrechten Teutschen im Lande mit Klagen zu belästigen.

    Mittlerweile braut sich da einiges Ungemach zusammen, ich kann mich nicht erinnern, dass das Leitmedium ORF bislang jemals einen Vizekanzler der Republik klagte. Aus mehreren Gründen scheint Straches Ausflucht auf einen „Satirebeitrag am Faschingsdienstag“ fadenscheinig. Einerseits hat Strache mehrfach gezeigt, dass er zwischen Satire und Realität keinen Unterschied macht. Zum anderen hat der OGH bereits 2010 im Zusammenhang mit dem inflationär verwendeten Begriff der „Unschuldsvermutung“ ausgeführt, was von solchen Schutzbehauptungen zu halten ist – Strache-Fans wissen, wie solche Floskeln zu deuten sind.

    Was bei Straches Äußerungen immer ein Problem ist, sind die auf den Fuß folgenden Überreaktionen seiner Mitläufer. So hat sich beispielsweise eine Facebook-Gruppe mit Namen „BBA“ – natürlich ist die Namensgleichheit mit der BBA des rechtsextremen Terroristen Franz Fuchs reiner Zufall – dazu verstiegen dem ORF-Moderator Armin Wolf benutztes Klopapier (Original, hier gesichert) zu senden.

    cr_2018-02-27_113517Vermeintlich ein klein wenig gesitteter als der in der analen Phase steckengebliebene Facebook-Pöbel, stellt sich Friedrich Langberg, der Generalsekretär des Ring Freiheitlicher Jugend Burgenland, an. Er ist aufmerksamen Beobachtern eventuell schon mal aufgefallen, so gab er beispielsweise Anfang Dezember 2017 dem Identitären Alexander Markovics von Putins fünfter Kolonne „Suworow Institut“ ein Interview, das prompt von den rechtsextremen Holocaustleugnern bei „gloria.tv“ übernommen (Original, Screenshot hier gesichert) wurde.

    Nebenstehender Screenshot stammt von seinem eigenen Internetauftritt mit Titel „Alternative Perspektiven“. Da im Gegensatz zu Strache jegliche Schutzbehauptung wie beispielsweise „Satire“ fehlt, lässt das manipulierte Bild nur zwei Interpretationen zu:

  • Langberg unterstellt, die ORF-Moderatorin Marie-Claire Zimmermann verbreitet NS-Propaganda oder
  • Langberg behauptet Zimmermann und der ORF verbreiten Falschmeldungen.
  • Nun könnte man diese Unterstellungen damit abtun, dass der siebente Zwerg von rechts versucht in die zu großen Fußstapfen von Strache zu treten – aber gschmackig daran ist zumindest, dass Langberg in Sachen ORF nicht nur Zuspruch von Strache erfährt (Original, hier gesichert), sondern auch verurteilte Hetzer wie der aus der FPÖ ausgeschlossene Werner Königshofer sich für den rechten Nachwuchs erwärmen (Original, hier gesichert).

    Abgesehen vom eigenen Internetauftritt verwendet Langberg die Zimmermann und ORF diffamierende Grafik auch am einschlägig bekannten Portal „fisch+fleisch“ (Original, hier gesichert), was wenig verwunderlich ist, bietet „fisch+fleisch“ ja auch verurteilten Holocaustleugnern wie Wolfgang Pestl eine Bühne.

    Eine kleine Randbemerkung noch: die sieben Zwerge des Ring Freiheitlicher Jugend Burgenland scheinen recht bemüht die Distanzierung von Vizekanzler Strache und Innenminister Kickl von den Identitären zu konterkarieren. Nicht nur Friedrich Langberg, auch Vorstandsmitglied Werner Wassicek fraternisiert mit Alexander Markovics (Original, hier gesichert). Aber mittlerweile kann man sich da ja nicht mehr ganz sicher sein – womöglich will Strache seine Distanzierung von den Identitären auch nur als „Satire“ verstanden wissen?

    Quelle des Screenshot: friedrichlangberg.at, Stand 27. Feber 2018, zum Vergrößern anklicken
    Deeplink: friedrichlangberg.at/f/orf-zwischen-lucken-und-lugenpresse

    Ute Bock

    19. Januar 2018

    Heute ist die großartige Ute Bock verstorben. Nachstehende ausgewählte Kommentare von FPÖ-Wählern müssen nicht weiter kommentiert werden.

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    Anneliese, ach Anneliese

    28. Dezember 2017

    Bitte den Nachtrag ganz unten beachten!

    Eigentlich hat der Kurier hier schon alles Wissenswerte über die von der FPÖ gestellte dritte Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller geschrieben. Dass wir an Kitzmüller noch viel Freude haben werden zeigen die weiteren Berichte der letzten Woche, wobei insbesondere ein Photo einer Veranstaltung der rechtsextremen „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“ (AFP) für Aufregung sorgte.

    Kitzmüller verwahrt sich jedenfalls dagegen dass sie neben Gottfried Küssel auf den in diversen Medien publizierten Photos wäre. Mitgeteilt wurde das samt der obligatorischen Klagsdrohung von ihrem Sprecher Konrad Belakowitsch, ein alter Herr der schlagenden Burschenschaft Silesia. Die dummen Jungs der Silesia sind noch gut von einer Auseinandersetzung im Wiener Rotlicht-Milieu in Erinnerung, bei der die damalige Chefsekretärin von Bundeskanzler Strache ausgerechnet einen gewissen Gottfried Küssel zur Hilfe rief.

    Aber gut. Diese reinrassigen arischen Schönheiten sehen einander nun mal zum Verwechseln ähnlich. Leider habe ich kein Photo Kitzmüllers aus 2006, als die AfP-Akademie in Gumpoldskirchen tagte, zur Verfügung. Ein Abgleich mittels forensischer Gesichtserkennungssoftware mit einem Photo aus 2009 zeigt eine Übereinstimmung von eh nur 74.5%. Um es also mit teutscher Zunge zu sagen: „Kitzmüller und Küssel? Ich halte mich da raus! Ich glaube alles, was dogmatisch vorgeschrieben ist.„.

    photo_2017-10-29_21-20-27Noch ein klein wenig mehr strapaziert wird unsere Glaubensbereitschaft angesichts des Gedenksteines in Kitzmüllers Heimatort Kirchschlag hier links. Dem Text zufolge wurde an dieser Stelle von US-Befreiern ein ungesühntes Kriegsverbrechen begannen: „Hier wurden 1945 – bei Kriegsende – drei ganz junge deutsche Soldaten von der amerikanischen Besatzungsmacht als Geiseln erschossen! Barmherziger Gott wir bitten Dich! Bewahre unsere Jugend und unsere Heimat vor einem neuen Krieg und der Zerstörung des christlichen Abendlandes!“.

    Trotz umfangreicher Recherche lässt sich kein einziger Beleg für dieses angeblich von US-Streitkräften begangene Kriegsverbrechen finden. Was wir aber finden, lässt die Geschichte in einem anderen Licht erscheinen. Das Buch „Generationen erzählen“ schildert Lebenserinnerungen von Zeitzeugen der Kriegs- und Nachkriegsjahre, darunter auch jene des Linzers Franz Rieger.

    Riegers Erinnerungen lesen sich so: „Wie zu Kriegsende die Amerikaner nach Kirchschlag vorgerückt sind, haben sich drei SS-ler im Wald verschanzt und wollten das Blatt noch wenden. Sie wollten noch gegen die Amerikaner kämpfen – am Ortseingang von Kirchschlag gibt es heute noch einen Gedenkstein, wo die SS-ler erschossen wurden.“ – Angehörige der verbrecherischen Organisation SS klingt schon ganz anders als das harmlose „ganz junge deutsche Soldaten“. Ebenso ist kein Wort von einer angeblichen Geiselnahme zu finden, das war ja ohnehin eher krimineller Usus der deutschen Kriegspartei. Der Schwachsinn, dass ausgerechnet die antichristliche NS-Vernichtungsmaschinerie uns vor der „Zerstörung des christlichen Abendlandes“ bewahren solle richtet sich ohnehin von selbst.

    Ich kann nachvollziehen, dass man sich nicht unbedingt im Detail mit solchen geschichtsrevisionistischen Dämlichkeiten und mit Reinwaschungsversuchen von SS-Verbrechern auseinandersetzen muss, zumal der Gedenkstein nicht an einem prominenter Stelle sondern in einem winzigen oberösterreichischen Kaff steht. So hält sich beispielsweise die ÖVP-Bürgermeisterin Gertraud Deim in der Sache bedeckt und erteilt trotz mehrfacher Anfragen keine Auskünfte zur Sache. Man könnte sich aber Gedanken darüber machen wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass man den Gedenkstein nahezu täglich passiert, wie etwa der einschlägig unbescholtene Kirschschläger FPÖ-Gemeinderat Wolfgang Kitzmüller, Gatte von Anneliese Kitzmüller.

    2017-10-30_112915Am Satellitenbild hier links eingekreist der Meldewohnsitz der Kitzmüllers im Witikoweg (Witiko, zwinker, zwinker), weiter rechts im Bild die GPS-Markierung des geschichtsverfälschenden Gedenksteins.

    Ob der örtlichen Nähe ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass Kitzmüllers darüber Bescheid wissen, von Bemühungen den Geschichtsrevisionismus im sozusagen Vorgarten zu korrigieren ist nichts bekannt. Dabei sollte man meinen, dass gerade Anneliese Kitzmüller Interesse an einer Aufarbeitung haben könnte, hat sie doch über eben diese Zeitspanne ein dilettantisches ewiggestriges Buch herausgegeben. Mitherausgeber war ein gewisser Martin Graf …oh, wait!

    *** Nachtrag 30. Dezember 2017 ***

    Der Kurier veröffentlicht heute, dass sich eine „Silvia M.“ gemeldet habe: „Fast untergegangen ist dabei Silvia M. mit ihrem Zwischenruf: ‚Ich bin der Mensch auf dem Foto.‘ Dass ihr Bild ‚überall gepostet und analysiert wird‘, werde sie sich nicht gefallen lassen, erklärt sie im KURIER-Gespräch. ‚Das ist rufschädigend für mich. Das war in der Vergangenheit, ich will damit nichts mehr zu tun haben.'“, und weiter: „‚Ja, ich war bei dieser Veranstaltung, aber das ist ja nichts Verbotenes‘, sagt Silvia M. – immer noch FPÖ-Wählerin, ‚aber kein Nazi‘, wie sie betont. Mit Küssel sei sie damals bekannt gewesen, er habe sie im Auto mit zur Veranstaltung nach Gumpoldskirchen genommen. Seit seiner Inhaftierung sei der Kontakt abgebrochen.“.

    1cr_376853_463151570385968_693117121_nWie oben schon erwähnt – diese reinrassigen arischen Schönheiten sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Und es könnte sich auf dem Photo von der AfP-Tagung tatsächlich um Silvia Maritsch handeln. Bei Maritsch handelt es sich um kein unbeschriebenes Blatt. Als Lebensgefährtin des verurteilten Neonazi Edmund Eminger war sie nicht nur in der AfP aktiv, sondern hatte auch in den mittlerweile verbotenen neonazistischen HNG-Nachrichten veröffentlicht.

    Das Photo links stammt von Maritsch‘ Facebook-Account und ist zeitlich nicht einordenbar. Aber wie bereits erwähnt, eine gewisse Ähnlichkeit nicht nur zur Person am AfP-Photo, sondern auch zu Kitzmüller ist nicht von der Hand zu weisen.

    Quelle des ersten Bildes: eigenes Archiv, zum Vergrößern anklicken

    Quelle des zweiten Bildes: google.com, Stand 28. Dezember 2017, zum Vergrößern anklicken
    Deeplink: google.at/maps/place/Witikoweg+1,+4202+Kirchschlag+bei+Linz/@48.4171893,14.2769604,139m/data=!3m1!1e3!4m5!3m4!1s0x47739c2116a1775f:0x2db6597abe49aeef!8m2!3d48.4174644!4d14.2767095

    Quelle des dritten Bildes: facebook.com, Stand 30. Dezember 2017, zum Vergrößern anklicken
    Deeplink: facebook.com/photo.php?fbid=463151570385968&set=a.463151560385969.107786.100000733860228&type=3&permPage=1

    Jenseitig

    18. November 2017

    Vor fast genau zwei Jahren wurde das Nachrichtenmagazin „profil“ vom Österreichischen Presserat gerügt weil in einem Artikel FPÖ-Sympathisanten bei einer Parteiveranstaltung der FPÖ am Viktor-Adler-Markt in Wien als „die hässlichsten Menschen Wiens, ungestalte unförmige Leiber, strohige, stumpfe Haare, ohne Schnitt, ungepflegt […]. Pickelhaut. Schlechte Zähne […]“ beschrieben wurden.

    14192142_1512293728796062_350723681186677243_n Der Presserat meint in seiner Entscheidung, dass eine derartig intensive, pauschale Häufung negativer Attribute eine eindeutige Diskriminierung dieser Menschen darstellt. Nu, Schönheit ist eben subjektiv, und auf den links am Screenshot von Heinz-Christian Strache und Norbert Hofer eingerahmten Alfred Blihall trifft zwar in eventu die Beschreibung des „profil“ zu, aber wichtiger ist ohnehin was in einem Kopf vorgeht, nicht wie er aussieht.

    Das scheint aber in diesem Fall zu korrespondieren, nicht umsonst wird er zur Illustration eines Artikel über europäische Rechtsaußen in „The Nation“, US-Amerikas ältester politischer Wochenzeitschrift, herangezogen.

    Das Leben des Alfred Blihall jenseits der Donau lässt sich auf drei Momente reduzieren: den Fußballklub Austria Wien, Essen und die FPÖ. Nicht viel, aber immer noch mehr als genug um einen Facebook-Account zu füllen. Dabei sind vor allem seine Videos sehenswert. In diesem Beispiel etwa führt er aus sich nicht nur für die FPÖ zu engagieren, sondern auch bei einer dubiosen Initiative „Hunde haben ein Recht auf einen Aufenthaltstitel in Österreich“, weil ja schließlich die Facebook-Seite „Hunde raus aus Österreich“ gegen Artikel sechs der Bundesverfassung verstößt – so weit, so dämlich.

    2017-11-18_124512Blihall filmt sich aber nicht nur selbst gerne, er kommentiert auch ausgiebig fremde Videos. Beispielsweise am Screenshot links eines des Boulevard-Senders oe24.tv.

    Was er da von sich gibt ist auf den ersten Blick strafwürdig, auf den zweiten fällt es aber wohl unter „milieubedingte Unmutsäußerung“. Auf die Spitze treibt er diese dann nach einer kleinen Provokation auf Facebook. Jemand hatte sein Photo verfremdet und das Fake-Profil „Ahmed Blihall“ erstellt, worauf er mit einem seiner skurrilen Videos reagiert.

    Dieses Video ist so … Dings … dass ich es meinen p.t. Lesern nicht vorenthalten möchte:

    Im Video wie in seinen Texten Verhetzung ohne Ende, aber wie weiter oben geschrieben – ich bin nicht sehr zuversichtlich, dass bei Blihall schuldhaftes Handeln erkannt wird. Sohin zeigen Menschen wie er einmal mehr ein Dilemma unserer Demokratie auf: Belangbar für seine Hetze ist er nicht, das Wahlrecht entziehen kann man ihm aber auch nicht.

    Quelle des ersten Screenshot: facebook.com, Stand 18. November 2017, zum Vergrößern anklicken
    Deeplink: facebook.com/photo.php?fbid=1512293728796062&set=a.507056565986455.138055.100000463470775&type=3&permPage=1

    Quelle des zweiten Screenshot: facebook.com, Stand 18. November 2017, zum Vergrößern anklicken
    Deeplink: facebook.com/oe24.at/videos/10159794886050529/

    Quelle des Video: facebook.com, Stand 18. November 2017
    Deeplink: facebook.com/alfred.blihall/videos/2142270965798332/

    Truva Atı

    5. Oktober 2017

    Einen hab ich noch aus der Serie der politischen Lichtgestalten der Tiroler Liste Pilz: Çelebi Harmanci kandidiert auf Platz sechs der Landesliste und ist Pilz‘ einziger Kandidat im Wahlkreis 7C.

    Der Darstellung auf Pilz‘ Internetauftritt (Original, hier gesichert) zufolge will sich Harmanci auf die Themen Integration und interreligiöser Dialog konzentrieren: „Weil ich mich mit dem Thema „Politischer Islam“ intensiv beschäftige und glaube, mich hier konstruktiv einbringen zu können.“

    Womöglich hat er sich dafür mit seiner 2008 an der Universität Innsbruck (laut Peter Pilz eine „Baumschule“) verfassten Diplomarbeit mit Titel „Zerfall des Osmanischen Reiches und seine nationalen Folgen“ qualifiziert. Eine genauerer Blick auf diese Arbeit erstaunt allerdings, da sie im Tenor so gar nicht mit Peter Pilz‘ Linie korrespondiert.

    Beispielsweise stellt er Persönlichkeiten wie den ob seiner Grausamkeiten berüchtigten osmanischen Herrscher Mehmed II. ausschließlich überschwenglich positiv dar. Dieses Muster behält Harmanci bei der Beschreibung osmanischer Herrscher aller Zeitalter bei.

    Besonders auffällig ist das in seinem Kapitel über den Völkermord an den Armeniern, wo Harmanci ausführt, dass die Gründe für dieses Verbrechen in der „Einmischung der Großmächte“ zu suchen wären. Das widerspricht jeglicher Forschung. Die politische Verantwortung des damaligen Herrschers Abdülhamid II. wird in in einem Nebensatz erwähnt. Es fällt schwer eine wissenschaftliche Motivation zu finden, eher könnte man vermuten Pilz‘ Kandidat war ideologisch versucht Abdülhamid II. zu exkulpieren?

    cr_20170920_090233Der Gedanke der ideologischen Motivation drängt sich noch mehr im Kapitel über Atatürks Ansprache an die Jugend auf. Harmanci hat sich entschlossen diesen Text auf türkisch vollständig, in Deutsch jedoch nur ein kurzes Fragment wiederzugeben. Ausgerechnet jene Passage fehlt, in der vom „edlen Blut“ die Rede ist, das angeblich in türkischen Adern fließt.

    Besonders verstörend ist eine Bemerkung Harmancis im Schlussteil seiner Diplomarbeit. Wie am Photo links zu sehen ist stellt er ohne Belege anzuführen oder diese zu benennen „israelische Gräueltaten“ in den Raum. Damit reflektiert er in einer wissenschaftlichen Arbeit Denkmuster stramm türkischer Nationalisten.

    Über Unstimmigkeiten bei Quellenangaben – das böse P-Wort verwende ich ausdrücklich nicht – lasse ich mich nicht weiter aus, der damalige Begutachter von der Diplomarbeit möchte sich diese ohnehin nochmals durchsehen.

    „Politisch bin ich ein weißes Blatt“ schreibt Harmanci in seiner Selbstdarstellung auf oben angeführtem Internetauftritt der Liste Pilz. Dass Weiß nicht unbedingt unbefleckt heißen muss liegt auf der Hand. So sind etwa auf seinem Youtube-Kanal (Original, hier gesichert) zwei von ihm erstellte Videos zu finden, die Peter Pilz‘ Kandidaten als Fan von Norbert Hofer outen.

    Womöglich hat sich da also Peter Pilz ein türkisches Trojanisches Pferd – ein Truva Atı – in seine kleine Widerstandsbewegung gegen türkische Nationalisten geholt. Oder aber er denkt noch viel langfristiger als vermutet und baut auf andere Talente von Çelebi Harmanci. Immerhin hat Pilz gedroht bei erneuten allfälligem politischen Scheitern seine Gesangskarriere weiterzutreiben. Eine Hupfdohle hätte er mit seinem Kandidaten schon mal:

    Quelle des Photo: Harmanci, Ç. (2008) Zerfall des Osmanischen Reiches und seine nationalen Folgen, Innsbruck, Univ., Dipl.-Arb., Seite 111

    Quelle des Video: youtube.com, Stand 06. Oktober 2017
    Deeplink: youtube.com/watch?v=72RXUgQF4uI